„Bitte“, sagte Ginstermann und schob ihr seinen Arbeitssessel hin.

Sie nahm Platz, setzte den linken Fuß über den rechten, dann den rechten auf die Fußspitze des linken und bewegte ihn leicht hin und her. Ihre Hände strichen über die Lehnenrundung des Sessels, immer auf und ab.

Nach geraumer Zeit sagte sie, ganz leise: „Ich habe dich gesucht, überall gesucht, aber ich fand dich nirgends. Du warst wie von der Erde verschwunden.“

Er saß ihr gegenüber und lächelte erstarrt. Sie bemerkte es nicht, sie sah zu Boden, dem Spiel ihres Fußes zu.

„Dann las ich von dir und hörte, du seist Dichter geworden. Ich wußte es ja damals schon, daß du ein Dichter bist.“

Sie blickte auf, zu ihm hin, voll Vertrauen auf die Wirkung ihrer letzten Worte. Sie war schön, ihre blaßgrauen Augen tief, erfüllt von verborgener Leidenschaft. Hellbraune Pünktchen schwebten darin wie gefangene Luftbläschen.

„Du wirst mich verurteilen, Henri, ich weiß es. Aber ich versichere dich — glaube es mir — ich konnte damals nicht anders handeln. Glaube es mir. Ich erzähle dir einmal alles. Ich hatte Sehnsucht, Sehnsucht, dich wiederzusehen, ich hatte auch den Mut dazu. Ich bin da, siehst du. Es steht bei dir, ob du meinen Besuch erwidern willst oder nicht. — Ich wohne in Starnberg. Mein Gatte ist gestorben, verunglückt bei einer Segelpartie in Nizza —.“

„Nizza“, sagte ein Echo in Ginstermann.

„Ich wohne in Starnberg. — Willst du nichts sprechen? Wie ging es dir denn?“

„Danke, es ging.“