Plötzlich bewegte er die Füße und ging. Fort, fort aus diesem Garten, dessen tausend graue erloschene Augen dich anblicken, fort, fort.
Er lief hastig, quer durch die Wiesen, um die Gebüsche zu vermeiden.
Endlich war er auf der Straße. Er wurde ruhiger. Hier gab es Menschen und Schutzleute, er war geborgen.
Nach und nach kehrte die Reaktion seiner Sinne zurück. Langsam, mit dumpfem Kopfe schlich er an den Häusern entlang. Es war noch nicht spät, es dämmerte. Der Himmel war düster und erschien wie ein unendlich tiefer Sack, aus dem flimmernde Fäden hingen. Die Bogenlampen brannten, die Telephondrähte schimmerten und liefen rasch in die Dämmerung hinein, als hätten sie es sehr eilig, an den Leitungsdrähten der Straßenbahn sprühten zornige, grüne Flammen auf.
Die Cafés waren erleuchtet, die Türen gingen auf und zu. Durch einen Vorhang sah er ein grünes Billard, über das sich ein Herr mit langen weißen Manschetten beugte. Der Kopf einer Kellnerin ging hinter der Scheibe vorüber und verdeckte für einen Moment das ganze Billard.
Er war fähig, diese Eindrücke aufzunehmen, ohne aber sonst Kraft zum Denken zu besitzen. Man hat alle Drähte in meinem Kopfe durchschnitten, dachte er.
Seine Schläfe brannte. Das Bedürfnis, sie mit kaltem Wasser zu netzen, trieb ihn über die Brücke, in die Anlagen. Dort stieg er zum Fluß hinunter. Die Böschung war gepflastert, er mußte vorsichtig sein. Der Fluß rauschte vorüber, blitzschnell, mit hundert Zungen nach ihm leckend. Schon daran, die Hand nach dem Wasser auszustrecken, hörte er über sich rufen. Er wandte erschrocken den Kopf und glitt aus. In Todesangst klammerte er sich an den Steinen fest.
Es war ihm, als habe ihn der Fluß schon in seine brausende Tiefe hinabgezogen. Ohne sein Vorhaben auszuführen, kroch er wieder in die Höhe; kalter Schweiß bedeckte seine Stirne. Er schleppte sich weiter, müde ging er wie ein alter Gaul.
Er ging lange, bis die Häuser klein und niedrig wurden. Trüb leuchteten ihre Augen, einige hatten viele, wiederum welche waren blind von oben bis unten.
Auf der Straße spielten Kinder. Es waren kleine Mädchen. Sie hatten einen Kreis gebildet und schritten um ein Mädchen herum, das in der Mitte saß, die Hände vor dem Gesicht. Dabei summten sie ein Lied. Es war ein weicher flüsternder Gesang, wehmütig durch die Dämmerung schwebend.