Noch einige Tage und er war gänzlich hergestellt.
Dr. Scholl besuchte ihn jeden Nachmittag. Sie waren Freunde geworden. Ginstermann liebte das offene, kluge Wesen des jungen Arztes. Dieser Mann hatte die Eigentümlichkeit, die radikalsten Anschauungen wie etwas Selbstverständliches zu äußern, und das tat wohl. Ein immenses Wissen erlaubte ihm, spielend Unmengen von Material aus allen Gebieten herbeizubringen, an der Hand desselben Schlüsse zu ziehen, zu begründen, zu widerlegen. Es war eine Lust, mit ihm zu diskutieren. Man brauchte nicht mehr im Jargon zu sprechen, nicht zu befürchten, mißverstanden zu werden, keine noch so feine Nüance ging verloren, und selbst da, wo der Ausdruck fehlte, sprach eine Gebärde, das Stocken selbst. Ihre Gespräche griffen wie die Zähne zweier Räder ineinander.
Noch nie hatte sich Ginstermann so sehr und so angenehm in der Beurteilung des Wertes eines Menschen nach seinem Äußeren getäuscht. —
Ginstermann hatte Bianka ein Billet zugeschickt, worin er ihr für ihre Grüße dankte und ihr seine Genesung mitteilte.
Tags darauf erhielt er eine Einladung ihrerseits zu einem kurzen Spaziergang.
Werter Freund, schrieb sie, werter Freund.
XVIII.
Drei Uhr.
Jetzt kommt sie quer durch die Wiese, weiß in weiß gekleidet wie immer, und steigt den Hügel zum Monopteros hinauf. Sie atmet auf, blickt die Wege entlang, geht zwei-, dreimal im Kreise umher, schreibt mit dem Sonnenschirm auf die Fliesen, sieht auf die Uhr und geht wieder hinab. Ganz langsam. An der Wegkreuzung wartet sie noch ein Weilchen, dann geht sie wieder quer durch die Wiese, weiß in weiß, den Körper leicht vornüber gebeugt.
Ginstermann ist nicht hingegangen.