Endlich wandte sie den Kopf, und er atmete auf.
Sie trat zurück und schloß das Fenster. Er hörte es, als stände er dicht darunter, über ihre Hand, die den Knopf drehte, flossen die Vorhänge zusammen, und fingen den Schatten ihrer Gestalt auf.
Das Verlangen erfaßte ihn, irgend etwas zu unternehmen, zu rufen, irgend etwas zu rufen, nur um sie noch eine Sekunde zurückzuhalten.
Da wurden die Vorhänge licht.
Er ging nach Hause.
III.
Ginstermann verlebte die folgenden Wochen in gewohnter Zurückgezogenheit.
Wie früher ließ er sich des Mittags seine Mahlzeit auf das Zimmer bringen, um nicht genötigt zu sein, in einem lärmenden Lokal zu speisen und mit gleichgiltigen Leuten ein Gespräch führen zu müssen. Nur des Abends, wenn die Dämmerung herabsank, und es dunkler war, als wenn alle Lampen in den Straßen brannten, verließ er zuweilen das Haus, um einen kurzen Spaziergang zu unternehmen. Diese Spaziergänge benutzte er dazu, sich in Gedanken auf die Arbeit des Abends vorzubereiten.
Die Ereignisse jenes Abends hatten ihm zu denken gegeben.
Zu nüchterner Vernunft zurückgekehrt, hatte er mit Erstaunen wahrgenommen, mit welcher Schnelligkeit er die Herrschaft über seine Seele verloren. Wenn er sich daran erinnerte, wie er hinter der Pappel stand und auf das schlanke Mädchen am Fenster blickte, so sah er gleichsam einen Fremden vor sich, dessen Gebaren er kopfschüttelnd und mitleidig lächelnd beobachtete.