Er erklärte sich diese Erregung als eine Reaktion seines Gehirns, das sich seit Jahren in rastloser Tätigkeit befand, immer auf der Flucht vor alten und der Jagd nach neuen Gedanken, sich kaum die notdürftigste Ruhe und Zerstreuung gönnend.
Jenes unscheinbare Erlebnis war für ihn das gewesen, was für den Nüchternen ein Schluck Wein ist, es hatte ihn berauscht. —
Ginstermann hatte früher ein Leben ohne Maß und Ziel gelebt, teils von seinen lebendigen Sinnen getrieben, teils von dem Wunsche, den Hunger seiner Seele an möglichst vielen Eindrücken zu stillen. Erst seine reisende Erkenntnis gebot ihm eine Regulierung seiner Lebensweise, wenn er seine Seele nicht durch Erinnerungen überlasten wollte.
Sie riet ihm zur Vorsicht angesichts der Empfindsamkeit seiner Seele, die eine Leidenschaft in jungen Jahren noch gesteigert hatte.
Jahre der Einsamkeit und Verinnerlichung ließen Erkenntnisse in ihm reifen, die ihm Welt und Menschen in neuem Lichte zeigten.
Er erkannte, daß das, was man im allgemeinen Leben nannte, ärmlich und nüchtern war gegen ein Leben in der Phantasie, gegen die Beschäftigung mit den ewigen Ideen, die geheimnisvoll die Jahrtausende regieren, das Tun der Menschen bestimmen.
Nach und nach war er zur gänzlichen Unfähigkeit gelangt, mit den Menschen zu verkehren.
Er verachtete, er bemitleidete sie.
Sie waren ihm zu wenig Luxuswesen, zu wenig Dichter, ohne freie Gefühle, ohne den Wunsch nach Flügeln. Ihre Ziele waren klein und kläglich und reichten nicht über den Tag hinaus. Die gesicherte Existenz im Himmel hatte sie vergessen lassen, daß der Mensch auch auf der Erde etwas zu vollbringen hatte.
Seine Geschlechtsgenossen waren ihm nicht sympathisch. Ihre rohen Sinne, ihre Lüsternheit, ihre vergiftete Phantasie stießen ihn ab. Die Widerstandslosigkeit, mit der sie sich den von der Masse diktierten Gesetzen und ihren Trieben unterwarfen, machte sie ihm erbärmlich.