Eine Stunde darauf befand er sich wieder im Englischen Garten.

Wie komme ich nur hierher, sagte er lächelnd zu sich.

Die Nacht war ganz weiß.

Übergossen vom Schein des Mondes, der allen Dingen das Körperhafte nahm, erfüllt vom Geruch des Heus, der Linden, zitternd im Gezirpe eines Heeres von Grillen, das die Stille zauberhaft erhöhte, lag der Garten da gleich einem Schmuckkästchen, von einem mit Tausenden von blitzenden Steinen übersäten Deckel abgeschlossen.

Ah — das war ein Hain, auf dessen Wiesenteppichen die Elfenreigen der Maler schweben, aus dessen Schatten die Poeten ihre Spuk- und Traumgeister springen lassen.

Hier stand Yester und Lis Haus!

Er nahm den Hut ab und schritt die kühlen Laubgänge entlang, die ihre Blütenzweige wie liebende Arme um ihn schlangen, ergriffen von all den Wundern der Welt um ihn her und seines Herzens. Geschichten fielen ihm ein, hundert Geschichten zugleich, die ihm all dieser Garten erzählte. Und in all diesen Geschichten, da liebte einer ein Mädchen mit einer innigen, demütigen Liebe. So umgab er Bianka mit einem Kranz von Träumen, die sie keusch kosend umhüllten, wie die weißen Rosen die Prinzessinnen im Märchen.

Auf den Bänken im Schatten, da saßen Liebesleute, sich inbrünstig umschlingend, sie flüsterten, sie stammelten, sie küßten sich, ja sie schluchzten. Vögel zwitscherten im Traum, lautlos strichen Schatten über die Wiese, dunklen Wipfeln zu. In den Bächen tanzten des Mondlichts silberne Fische.

Auch den Monopteros besuchte er, ihn mit heiliger Scheu betretend. Dieser Tempel war heilig durch die Reinheit seiner Kunst, geheimnisvoll in der weißen Pracht, dieser Tempel war geweiht durch Biankas Fuß.

Er lehnte sich gegen eine der kühlen Säulen und blickte hinunter, hinüber. Das Zirpen der Grillen, die Stille trug ihn empor, er erschien sich wie ein Wesen, aus dem Äther herniedergestiegen.