Aber er vermochte sie nirgends zu finden. Vermutlich saß sie in einer Laube des Gartens, der über die Villa blickte, mit Büchern und Zeitschriften ihre Tage verbringend.

Zu Kapelli kam sie schon lange nicht mehr, die Büste war längst fertig. Ein paarmal hatte sie die Bildhauersleute besucht, aber stets zu einer Zeit, wo er abwesend war.

Endlich löste sich das Rätsel.

Er hatte eine halbe Nacht im Café zugebracht, um mittels Lektüre diese wie Schildwachen in seinem Kopfe hin- und hergehenden Gedanken zu verscheuchen, und wollte vor dem Nachhausegehen sich — wie er es nannte — nach ihrem Befinden erkundigen.

Da bemerkte er noch Licht in ihrem Zimmer. Aber es war kein Licht, bei dem man liest oder schreibt, es war gedämpftes, sorgfältig gedämpftes Licht, wie es in Krankenzimmern brennt.

Er erschrak bei dieser Wahrnehmung, als sei etwas Übernatürliches geschehen.

Nun wußte er es: sie war krank.

Der Schmerz übermannte ihn augenblicklich. Er nahm den Hut ab, stand starr wie eine Säule und flüsterte: Sie ist krank.

Er trottete nach Hause, immer wieder stehen bleibend und wiederholend: Sie ist krank.

In seinem kahlen, trostlos toten Zimmer angekommen, nahm er einen Blaustift und schrieb mit großen, stumm-wehklagenden Lettern an die Wand: Sie ist krank.