„Sie, Spiegel,“ rief Goldschmitt über das Lokal, „haben Sie dieses Café entworfen oder nicht?“

Der Angerufene drehte schnell den Kopf, rief: „Jawohl!“ und setzte seine Disputation fort, ehe Ginstermann sein Gesicht sehen konnte, das ihn nunmehr interessierte.

Um zwölf Uhr brachen sie auf. Ginstermann war in sehr aufgeräumter Stimmung und lachte immerzu. Er drückte dem Rehäuglein ein Zweimarkstück in die Hand und sagte:

„Morgen um zehn, da bin ich wieder da, und Sie werden mir dann herausgeben.“ Goldschmitt, der Knicker, gab keinen Pfennig Trinkgeld, er sah dem Mädchen nur mit einem kurzen, warmen Blick in die Augen, den niemand bemerkte, der nicht Ginstermanns scharfe Beobachtung besaß.

„Bleiben Sie recht brav, Rehäuglein,“ scherzte Ginstermann und schüttelte ihr wie ein alter Bekannter die Hand.

An der Nische vorbeigehend, in der der Herr mit seinem leichenblassen Gesicht saß, blickte sich Ginstermann um. Zwei helle Augen, die Ähnlichkeiten hatten mit denen von Fräulein Schuhmacher, waren auf ihn gerichtet. Sie erblickten nicht den Mann in ihm, sie suchten nach dem Menschen in ihm. Zu diesen Augen gehörte ein Gesicht von seltener Häßlichkeit.

Goldschmitt protestierte anfangs dagegen, daß Ginstermann ihn nach Hause begleite, aber er mußte nachgeben.

Arm in Arm gingen sie die Straße hinunter, und Ginstermann unterbrach plötzlich das Gespräch und sagte: „Wissen Sie was, Goldschmitt, dieses Sie ist zu fade, nennen wir uns du.“

„Also du, wie du meinst,“ versetzte der Maler.

Vor dessen Wohnung angelangt, versuchte ihn Ginstermann, noch durch eine neuaufgeworfene Frage zu halten. Aber Goldschmitt wollte schlafen gehen, er müsse morgen zeitig heraus.