„Eines will ich dir noch sagen, Ginstermann, wenn du wieder ins Café kommst, so gieb dem Mädchen kein Trinkgeld. Du sollst ihr kein Trinkgeld geben. Das Mädchen ist meine Braut. Aber — notabene — nicht daß du meinst — — gute Nacht.“ —

Ginstermann wanderte langsam nach Hause.

Es war eine herrliche Nacht, die tausend süße Geheimnisse barg. Im Himmel hatten sie alle Kerzen zur großen Mette angezündet. Die Erde lag gebettet in feuchtwarme Luft und dem Geruche frischer Wiesen, von Liebe und Fruchtbarkeit träumend gleich einem Weibe.

Ginstermann hatte nicht die mindeste Lust, schlafen zu gehen, aber er war müde. Die Haustüre öffnend, sah er Maler Ritt, die Zigarette im Mund, in jeder Hand eine Flasche tragend, über den Vorplatz gehen.

Die Türe seines Ateliers war angelehnt, und der Lichtschein, der daraus strömte, erhellte Ritts boshaft-gutmütiges, verlebtes Faungesicht. Im Atelier pfiff jemand „La Paloma“.

„Nanu?“ sagte der Maler, „hä-hä!“ und zog erstaunt die Brauen in die Höhe.

Ob er nicht ein wenig eintreten wolle? Auf eine Zigarette? Nicht?

Ginstermann war auf den Maler nicht sonderlich gut zu sprechen, aber er trat ein. Er hatte so gar keine Lust zum Schlafengehen, und dann war Ritt doch nicht schlechter und nicht besser als jeder andere Mensch. Und heute, wo ein besonderer Tag war . . .

Es ging besser mit ihr, folglich war alles gut.

Er trat in eine Wolke bläulichen Zigarettenrauches. Der Schirm der Lampe schwebte einer rotglühenden Kugel gleich darin. Die Wolke kam infolge ihres Eintritts in Bewegung, und um die rotglühende Kugel schaukelten phantastische Figuren. Im gleichen Moment bemerkte er ein mattschimmerndes Gesicht, dessen glänzende Augen auf ihn gerichtet waren, den weißen Saum eines Unterrockes, und nach links blickend abermals ein blasses Gesicht, aus dem eine senkrechte Rauchsäule emporstieg.