Zwei Damen in eleganten Kostümen lagen auf Ottomanen, halb in Kissen und Puffs versunken. Sie blickten ihn beide an, und obschon ihre Augen von verschiedenem Schnitt und ungleicher Farbe waren, lag doch der nämliche Ausdruck in ihnen, lüsterner Glanz. Sie rührten sich nicht und blieben ruhig liegen, als Ritt Ginstermann mit ostentativer Pose und einer Menge Bemerkungen, wie ein Tierbändiger ein seltenes Exemplar, vorstellte.
„Dieser Mann hat den sanften Blick der Taube, aber die scharfen Krallen des Geiers, meine Damen,“ schloß er.
Sie lachten alle, und Ginstermann gab ihnen die Hand.
Die eine erwiderte mit einem zögernden Druck, die andere reichte ihm die Rechte mit müder Grazie und ließ sie sofort wieder auf das Kissen zurückfallen.
Wo er nur immer diese hübschen Frauen auftreibt, dachte Ginstermann.
Ritt ging umher und füllte die Gläser, die auf niedrigen Taburetts standen, so daß sie bequem zur Hand waren. Dabei strich er der einen der Damen leise über die Haare, als ob er eine Mücke verscheuche. Ihre Augen folgten ihm, und weiße Zähne schimmerten hinter lächelnden Lippen.
Es war nicht die, die Ginstermann die Hand gedrückt hatte.
Der Maler legte sich auf zwei Stühle und forderte Ginstermann auf, ein Gleiches zu tun.
„Bei mir können Sie lernen, wie man angenehm lebt,“ rief er aus. „Die Leute amüsieren sich in den Pausen ihrer Arbeit, ich arbeite in den Pausen meiner Vergnügungen, die Leute wollen sich schonen, ich will mich auf angenehme Art zugrunde richten — hähä. Darin beruht der Unterschied meiner Lebensauffassung und der der Welt. Wir leben nur eines Atemzuges Länge, laßt uns atmen, Freunde! Prosit!“
Man stieß an. Ginstermann dachte an das Mädchen in der Leopoldstraße und trank sein Glas bis zum Boden leer.