Ritt fuhr fort, in seiner näselnden, dünnen Stimme die Freude zu preisen, die den Menschen über sein tierisches Ahnentum erhebe.

Der Maler vermochte nicht eine Minute zu schweigen. Er befand sich unausgesetzt in nervös lustiger Erregung.

Ein Genie von Geburt, hatte ihn sein ausschweifendes Leben frühzeitig zu einer totalen Erschlaffung seines Willens geführt, so daß er zum Spielball seiner Triebe geworden war. Von Zeit zu Zeit schloß er sich vollständig von der Welt ab, um sich wiederum die nötige Achtung vor sich selbst zu geben, und da schuf er ein Bild, von dem jeder einzelne Pinselstrich den Eindruck der Inspirativen erweckte. Seine Schöpfungen hatten ihn berühmt gemacht. Aber allen haftete etwas an, was an einen verzweifelten Sieg erinnerte, als seien sie einem vorbeisausenden Augenblick entrissen. Er hatte keine Zeit zur Sammlung, seine Seele war zerrüttet.

Niemand hätte das Alter des Malers genau zu bestimmen vermocht. Am Tage sah er vierzig, bei Lampenlicht dreißig Jahre alt aus. Sah man ihn aus einiger Entfernung, so erweckte seine schlanke, elegante Figur den Eindruck eines Zwanzigjährigen.

Sein Gesicht war welk, ausgetrocknet, mit matten Augen, die nahezu wimpernlos waren. Er trug einen dünnen, langen Spitzbart, der einige Dutzend Haare hatte, über seine Züge lag etwas Täppisches, Kindisches ausgebreitet, das zeitweise verdrängt wurde durch den Ausdruck mühsam verborgenen Grauens vor etwas Entsetzlichem, das er selbst nicht kannte, vor dem Wahnsinn.

Ginstermann suchte Ritt deshalb zu meiden, weil er in ihm ein Stadium entdeckte, aus dem er sich glücklich emporgearbeitet hatte. Diese nervöse Lustigkeit des Malers, seine Gier, sich fortwährend zu betäuben, seine Freude an Orgien, sein bramarbasierendes Reden, das alles erinnerte ihn an seinen früheren Zustand.

Er empfand Mitleid mit ihm, sah aber auf der anderen Seite ein, daß der Versuch, den Abwärtsgleitenden zu retten, vergebens gewesen wäre. Ritt würde ihm ins Gesicht gelacht haben, weil er sich gescheut hätte, den Zusammenbruch seines Inneren einzugestehen.

Eine der Damen sang, als Ritt geendet, ein französisches Chanson, dessen Refrain lautete: Achète moi un homme, maman, if you please, maman.

Die beiden anderen sangen den Refrain mit, und schließlich fiel auch Ginstermann ein.

Nach jedem Vers brachte Ritt einen Trinkspruch aus, einen paradoxer als den andern.