Plötzlich lauschte er. Hier hatte jemand geschluchzt!
Es war so stille, daß er das Rollen eines Wagens von der Straße her hörte. Und nun vernahm er wiederum unterdrücktes Schluchzen.
Da drinnen hielt der Gram einen Menschen wach.
Diese Laute nach all dem Lachen des Abends wirkten auf ihn wie eine niederschmetternde Anklage, als trüge er an dem Schmerze jenes Weibes Schuld.
Fräulein von Sacken klopfte eines Abends bei ihm an, um ihn nach der Zeit zu fragen, da sie nicht schlafen könne, wenn ihre Uhr stehe. Aber sie kam nicht deswegen. Sie kam, um mit einem Menschen ein paar Worte wechseln zu können, da die Einsamkeit sie peinigte. Ginstermann erriet das. Und nach kurzem Gespräche fragte sie ihn, ob er wisse, was die drei schrecklichsten Dinge im Leben seien. Sie beantwortete ihre Fragen selbst, indem sie sagte: Die Einsamkeit, die Gestaltungssehnsucht und der Ehrgeiz.
Daran dachte er jetzt. Er sah sie noch deutlich an der Türe stehen und jene drei Worte sprechen, deren jedes einzelne eine Tragödie birgt. Sie waren ihm erschienen wie drei hohe, finstere Tore, hinter denen er nackte Menschenleiber in wortloser Qual sich winden sah.
Heute war sie im Kampfe mit den drei Bestien unterlegen. Er aber wollte ihr helfen. In seiner glücklichen Stimmung konnte er den Schmerz dieses Weibes um so tiefer begreifen.
Er begann an seiner Türe zu rütteln, mit dem Fuß dagegenzustoßen.
Das Schluchzen hörte augenblicklich auf.
Eine Weile wartete er, dann ging er an die Türe der Malerin und pochte behutsam.