Hier roch es nach Terpentinöl und welken Blumen. Die Möbelstücke warfen harte, zackige Schatten im unmittelbaren Lichte der kahlen Lampe.

Der mächtige, abenteuerliche Schatten der Malerin bewegte sich über Wände und Decke.

Fräulein von Sacken war eine große, üppige Erscheinung. In ihrem schwarzen Kleide, mit dem nervösen, bleichen, leicht zerfließenden Gesicht, das von früherer Schönheit zeugte, erschien sie Ginstermann wie die Maitresse eines Fürsten, die den Abschied bekommen hat, da ihre Schönheit verging, und ihr üppiger Körper anfing, seine reinen Formen zu verlieren. Eine sanfte Schwermut erfüllte ihre Züge, als trauere sie über ein verfehltes Leben. Sie hatte große Augen von matter Schwärze mit langen, strahlenförmigen Wimpern. Diese Augen flehten um etwas, das niemand erriet.

Man gewann den Eindruck, daß sie die Nächte in einem Sessel verbringe und vor sich hingrüble, während Tränen ihren dunklen Augen entfielen.

Ginstermann kannte ihre Geschichte. Sie war die Tochter eines höheren Offiziers, und ihre Angehörigen hatten sich aus irgendeinem Grunde von ihr losgesagt und ihr eine knappe Rente ausgesetzt. Sie sprach mit mühsam verhaltener Bitterkeit von ihnen, und ihr Streben ging dahin, einmal ein gutes Bild zu malen, das ihren Namen bekanntmachte, und die Rezension des Werkes ihren Verwandten zuzuschicken. Aber sie sah diese Hoffnung von Jahr zu Jahr mehr verblassen. Man wies jedes ihrer Bilder zurück. Sie hatte mit dem Stilleben begonnen, war dann zum Porträt, vom Porträt zum Genre, zur Landschaft, übergegangen, um schließlich wieder beim Stilleben anzukommen, fest überzeugt, daß sie nur hierin etwas leisten könne.

Das bißchen Talent, das sie mitgebracht, hatte sich längst zerrieben und im verzweifelten Studium alter Meister verloren. Wie es mit allen kleinen Talenten geht, die angesichts einer großen Schöpfung kläglich absterben.

Das Grauen vor der künstlerischen Unfruchtbarkeit war ihr größtes Leiden.

Die Malerin kramte in der Kommode und brachte einige Schlüssel herbei.

„Vielleicht passen die“, sagte sie.

Ginstermann prüfte die Bärte und legte sie kopfschüttelnd beiseite.