Ginstermann freute sich über diesen Beweis ihres Vertrauens und wußte sie durch Fragen zu veranlassen, fortzufahren. Der Ton, in dem sie seine Verdienste rühmte, war voll von aufrichtigster Verehrung, so daß er, eine kleinliche Eifersucht überwindend, schließlich dahin kam, diesen Beneidenswerten selbst zu verehren und zu lieben.

Nicht nur, daß er sich bis zu dem, was sie Charakter nannte, durchgerungen hatte, da war noch etwas anderes:

„Wenn ich ihm in die Augen sehe“, sagte sie, „so brauche ich nicht in Angst zu sein, seine Vergangenheit darin zu entdecken, dann er hat keine Vergangenheit.“

Das durchfuhr Ginstermann wie ein Stich. Er mußte an die Zeit denken, wo er sich betäubte, um nicht zu verzweifeln.

Seine Fröhlichkeit war wie fortgeblasen. — Er fühlte zwischen sich und dem Mädchen eine Mauer emporwachsen, die sie für alle Zeiten trennen würde.

Er war nahe daran, ihr zu sagen: Sehen Sie her! Sehen Sie mir in die Augen. Graut es Ihnen? O, wenn sie es nicht sehen, so will ich Ihnen sprechen davon, sprechen!

Und doch fand er nicht den Mut dazu, er war zu feige.

Der Himmel verdüsterte sich, und wie ein riesiges Schattenbild zog seine Vergangenheit langsam darüber.

Stumm schritten sie nebeneinander her. Sie mit Gedanken an ihren Bruder, er mit Gedanken an sich beschäftigt. Sie gingen voneinander entfernt.

Im Hintergrunde stampfte die große Maschine, die wippenden Zweige streuten Goldstaub auf den Weg.