Er fand nicht Ende, nicht Anfang. Von jedem Gedanken liefen tausend Gänge zu tausend anderen. Alles was unbewußt in ihm geschlummert, brach ans Licht, reiste in dieser Stunde blitzschnell heran. Ein ungeheures Rad mit blitzenden Speichen schwang in ihm, angetrieben von einer unbekannten Kraft.
Eine Blüte fiel herab und blieb auf ihrer Schulter liegen, er nahm sie weg, ohne jeden Gedanken.
Und er baute weiter, immerzu, der Höhe entgegen. Alles, was ihm sonst unfaßbar gewesen, rückte in das Sehfeld seiner Erkenntnis. Mit beiden Händen konnte er wegwerfen, seiner Schätze wurden nicht weniger, es war wie ein Zauber.
Zuweilen fragte er sich zwischen all diesen Strömungen: wie kommt das? Wie ist das möglich? Bin ich sehend geworden? Und weshalb sage ich ihr das, gerade ihr? Weshalb reißt es mich hin, ihr den Fanatiker der Idee zu zeigen, der ich bin, nachdem sie mich jahrelang in Schweigen gehüllt?
Endlich hielt er inne. Seine Worte gehorchten nicht mehr, er brach in nervöses Lachen aus.
Fräulein Schuhmacher faste nach seiner Hand und drückte sie.
Sie gingen still nebeneinander her. Die Gedanken, die er gesprochen, umgaben sie wie eine sie begleitende Atmosphäre.
Sie kamen am Wasserfall vorüber und blieben stehen, das Bild und den toten Rhythmus des Tosens mit halben Sinnen genießend.
Auf einen Felsblock saß eine Dame und zeichnete. Sie hatte eine spitze abgeknickte Feder auf dem Hute und der übergeschlagene Fuß wippte unmerklich auf und ab. Ginstermann bemerkte das, so sonderbar es ihm auch erschien. Und während die Wellen in ihm noch weiterrauschten, dachte er: Hier sitzt immer jemand, der zeichnet, oder jemand der liest, oder einer, der verzweifelt nach einem Verse sucht.
Sie gingen weiter, und Fräulein Schuhmacher sagte nach langem Sinnen: „Wollen Sie mir nicht etwas aus Ihrem Leben erzählen, Herr Ginstermann?“