Was für einen Monat haben wir, meine Brüder? sagte er.
Wir haben Mai!!
Ginstermann ging nicht sogleich nach Hause.
Er kehrte in den Englischen Garten zurück und schritt langsam, den Hut in der Hand, dieselben Wege, die er mit ihr gegangen.
Die Sonne blitzte hinter der Stadt, die Wipfel der Bäume streckten sich ihrem erlöschenden Lichte entgegen. Dämmerung kam und schob die Leute den Ausgängen zu.
Jene auffallende Sicherheit und Ruhe, die Ginstermann während des Nachmittages erfüllte, fiel in dem Moment, wo er allein war, gleich einer Schleuse, und die Flut seiner Empfindungen ergoß sich mit dreifacher Wucht. Er saß inmitten der Stunden dieses Tages, und jede einzelne breitete ihre Herrlichkeiten vor ihm aus.
Er durchlebte nochmals jede einzelne Minute und das Erlebnis gewann an Schönheit und Tiefe, da seine Phantasie es verklärte und durchleuchtete. Jedes Wort, das Fräulein Schuhmacher gesprochen, klang in ihm wieder, so deutlich und lebendig, als spreche sie neben ihm. Ihre kurze Frage: wie das? wolle ihn nicht mehr verlassen. Sie ging neben ihm her. Schloß er die Augen, so leuchtete ihm ihr Gesicht entgegen, in jedem Ausdruck, den er zu sehen wünschte. Sie wandte ihm sachte die Augen zu, wenn er redete, sie lächelte, wenn er scherzte, sie kräuselte die Stirne, wenn er ein Paradoxon aussprach. Er entdeckte abermals, wie wesenhaft ihre Hände waren, wie schmal und gewölbt ihre rosigen Fingernägel, die kaum merkbare Asymetrie ihrer Stirne.
Als er den Wiesenweg entlang schritt, den sie während seines Vortrages hin- und hergegangen, fand er Spuren ihrer Schirmspitze. Dies mutete ihn an wie eine reale Hinterlassenschaft.
Hier sagte sie dies und jenes, ein gelber Falter schaukelte über die Wiese, ein roter Sonnenschirm wanderte dort hinter den Büschen. Er wußte jede Einzelheit ganz genau.