Ja, die Überschätzung des „Malerischen“ lebte von zerronnenen Weibern.

Nur konturreine Maschinen waren hier auch zu würdigen Behausungen gelangt. Er hatte sich die modernsten Architekturwerke kommen lassen, da herrliche Bahnhöfe, Silos, Fabriken, Betriebsstätten gefunden, dabei gedacht:

„Wäre ich eine Turbine, ließe ich mir mein Heim von Behrens einrichten.“ Auch Rösser und Exkremente hatten es gut. Ställe und Kanäle gelangen manchmal wunderbar. Nur Menschenheime im Sinn und Rang des Hauses Elcho fehlten, denn es fehlten die Menschen dazu. Langsam begann er die Leistung seiner Mutter zu begreifen. Diese jahrelange, zähe, unbeirrbare Treue zum Ideal. Das einzig im höchsten Sinne europäische Heim war am Herzen des Dschungls erschaffen worden.

Welche Selbstverlöschung, ihn in diesem Werk Europa anbeten zu lassen, statt sie. Wie weise lang hatte sie ihm die sprühenden Sporen dieser Illusion bewahrt, die ihn hinaufgebäumt aus goldner Sinnenmulde in die herbe Kraft lotrechter Geistigkeit.

Langsam drehte sich die ganze Kuppel an seiner Jugend Wunderbau in einen neuen Aspekt hinein. Manche Absicht klärte sich, überraschend gelöst — mehr noch blieb vieldeutig, doch war er ohne Ungeduld. Zog wie auf Wolken über diesen Kontinent dahin, unangreifbar in seinem Kraftfeld: fern, stark und unberührt als ein Schauender.

Seit der Hosenrock-Episode schnitt er Dallmeyer. Schämte sich zu sehr für ihn. Saß denn bei so einem kastenlosen, durch ewige Bastardierung Entzüchteten keine einzige Hemmung, keine einzige Qualität mehr generationenfest? Hatte man so einen Mischkerl allein, war er meist ganz leicht besserem Niveau zugänglich, schon seiner affenartigen Charakterlosigkeit wegen, mimte unter der Hypnose eines Vornehmeren Verständnis ohne Heuchelei, um sich dann, bei der ersten Probe, fiel Einzelverantwortung weg, der Masse: „dem Vieh ohne Großhirn“ gleich zu benehmen. Das erklärte dieser furchtbaren Vibrionen der Verpöbelung Virulenz und leichte Übertragbarkeit auf scheinbar Immune. Immer waren eben hier die wichtigsten Dinge einem schauerlichen Zufall, einem schamlosen Ungefähr ausgeliefert. Heiratete man etwa eine Frau, die einem gefiel, wünschte sich gleiche Kinder, krochen vielleicht Wechselbälge aus ihr, nicht von Hexen in der Wiege, von üblen Tanten im Mutterleib vertauscht, weil der Typus nicht feststand, die Frau selbst nur ein freundlicher Zufall war, aus einem qui pro quo gemischter Akzidenz zusammengewürfelt.

Natürlich hatten sie wieder aus ihrer torkelnden Planlosigkeit eine wissenschaftliche Theorie gemacht. Samossy versuchte ihm einmal so einen Humbug mit dem Ahnenverlust einzureden: da das Individuum die Summe aller Eigenschaften und Erfahrungen seiner sämtlichen Vorfahren sei, bedeute jede Inzucht: jeder Vater und Mutter gemeinsame Ahne eine Verminderung des möglichen Eigenschafts- und Erfahrungskomplexes: Mensch. Je heterogener daher an Stamm, Rasse, Kaste, Blut, Heimat, die Vorfahren, desto reicher die Nachkommen.

Da hatte er nicht mehr an sich zu halten vermocht:

„Mein Gott, was für ein Verköterungsschwindel! Auf Stoßkraft und Richtkraft der Erbmassen kommt es doch an, auf Qualität und Intensität, nicht auf einen möglichst hohen Kehrichthaufen von Anlagen und Erfahrungen, die, wenn nicht gleichgerichtet wie Eisenfeilspäne im magnetischen Feld, einander hemmen, schwächen, aufheben, und das Endglied ist dann schließlich nichts als eine ganz volle Null. Bei euren Pferden und Hunden wißt ihr doch recht gut, worauf es ankommt, wollt ihr hohe Geldpreise gewinnen aus gezüchteter Form und Leistung. Höchstens, daß fremdes Blut bei gleicher Kaste möglicherweise vielseitige und doch gleichgerichtete Erbmassen ergibt.“

Samossy hatte langsam das hilflos verschrobene Schülergesicht bekommen, wieherte dann wie erwachend manisch in der Fistel: