„Man hat dort schon so viel von Ihnen gehört“ — dann halb entschuldigend: „nicht durch mich.“

Er lauerte, schülerhaft geniert, gelangweilt und wieder ängstlich um ein Ja. Schlug, als er es hatte, sein zerfahrenes Gewieher an und empfahl sich.

Der Mann war unberechenbar. Doch machte das den Verkehr nur ermüdender, nicht reicher, ließ nie schöpferische Kontinuität der Stimmung sich entwickeln, es sei denn in seinem engsten Fach.

Man stand leer herum in der großen Backsteinvilla. Wartete auf das Jubiläumsessen.

Manchmal beklopfte ein zugereister Geschäftsfreund, geneigten Ohres, mit dem Zeigefingerknöchel prüfend den bronzenen „Lauscher“ in der Ecke auf Metallstärke hin, oder versuchte Signaturen unter Ölbildern zu entziffern. Niemand saß. Unverrückbare Fauteuilarrangements hinter Tischen waren von vornherein dagegen, nur zwei Rollstühle an den Salonenden, um die wechselnde Gruppen sich stauten, schienen besetzt.

In dem einen ragte ein riesiger Greis aus Stein und Wasser.

Die Beine zu Blöcken geschwollen, trugen flach auf den Knien violette Hände, schwer wie Porphyr. Bis an die Hüften war er zu einem mit Wasser gefüllten Sarkophag geschlossen. Darüber kämpfte das harte alte Bauernherz zäh um jeden Zentimeter Leben, gegen das innere Ertrinken an. Ganz oben, aus blutigem Blauauge troff schon immer ein wenig Feuchtigkeit über, sickerte die fahlen Wangenfalten herab. Er biß in seinen weißen Bart vor barbarischem Starrsinn: da sein, nur da sein. Fuhr manchmal aus den schauerlichen Vorgängen in sich auf, zu wahnwitziger Eitelkeit über die eigne Zähe. Sah allen der Reihe nach in die Augen, trotzig, lauernd, wie ein erliegender Gladiator, im Gefühl drohend gesenkter Daumen ringsum.

War er vor Lebenswut hellhörig geworden an den schweren Birnenohren?

Seine blutigen Blauaugen drohten leuchtend hinüber zu dem andern Rollstuhl am Ende des Saales.

„Oh, er ist schon kalt bis zu den Knien,“ schmunzelte die greise Frau mit ruhiger Genugtuung Horus Elcho zu.