„Ich glaube auch gar nicht, daß es den Männern gefällt,“ sagte die gedunsene Valerie.

Wollte sie denn damit gefallen? Nein, in Ordnung sein, ganz einfach: wie geputzte Zähne, polierte Nägel haben. Wozu deshalb Aufsehen und Getue? Merkte eigentlich immer erst an dem dumpf rindhaften Glotzen ringsum ganz jäh, wie wenig man dem nachfrage, was ihr wie Lebensluft: leicht und unentbehrlich.

Und verstummte dann meist; aus einem großen jungen Nebel von Scheu heraus, beinahe Scham. Mußte denn wirklich jede Wahrheit, die einem durch und durch ging, immer erst noch oben in diesem negligablen Schälchen Großhirn zu Argumenten gerinnen, damit sie gelte?

Waren Diskussionen nicht entweder vergeblich oder überflüssig? Spürte irgendwie beweislos, gleich einem Axiom: „so lang in meinen eignen Weichen noch ein Gran Fett, also: Träges und Gemeines sitzt, ist es einfach eine Frechheit, die Bürde der Selbstvollendung in Form von Gemeinwohl von sich abtun zu wollen.“

Seit dem Malheur mit dem deutschen Aufsatz war es mit den „ablenkenden“ Spielen im Garten bei Butz und Iblis ziemlich aus.

„Das schickt sich nicht mehr für ein so großes Mädchen,“ hieß es, „dieses Herumkugeln auf der Erde mit den Tieren.“

Niemand aber konnte sie hindern, dafür täglich beim Durchfahren des Hofes die Schultern des bronzenen „Eidechsentöters“, den Papa in der Fabrik hatte nachgießen lassen, inbrünstig in sich hereinzulieben. Das Jünglingsfreie, Feenfreie dieser Schultern, wie eines geflügelten Wesens, glänzte ihr jedesmal ins Herz, bis sie es auf geheimnisvolle Weise mitversponnen in ihr Blutnetz, durch eine Art von nun an das Haupt zu tragen, sich zu recken, wenn sie laut Pindar vor sich hinsprach.

Aber eigentlich war auch das noch nichts. Genau wie das Matterhorn konnte alles immer doch noch besser sein, sogar in seiner eignen Linie und: „in mir muß es besser werden“ ward zur Mission. Die harfenden Flanken des Windspiels, das Ruhen der Katze, das Äugen des Rehs, die Flügelschultern des praxitelischen Knaben; alles nur zu durchlernende Stadien, Mittel, um selbst das „Noch-nocher“ zu werden. Hieß „leben“ denn nicht einfach die Verpflichtung, eine neue Vollkommenheit in sich körperlich zu machen?

Alle seine Ideale direkt in die Materie zu säen!

Sich wie ein köstliches einmaliges Gefäß zu halten, dessen Schale nicht verbeult, dessen magischer Inhalt nie verunreinigt werden durfte.