„Nächste Woche kommt er wieder dran, aber er weiß es nicht — das ist die Hauptsache. Nur ich weiß es voraus.“

Er lächelte, gab dem Geschöpf, das ihn wedelnd umhinkte, einen Leckerbissen. Dann reiste er ab.

In einem großen Kuvert des Nizzaer Tennisklubs kamen als Überraschung Meisteraufnahmen von Baby und Gabriel — keine von ihr. Ein Brief dabei, zwölf enggeschriebene Seiten. Sie las kaum die erste. Er schrieb von den Bildern, freue sich, daß ihr die früheren einiges Vergnügen bereitet. Noch mehr freue ihn, da er sie über Phrasen erhaben halte, der Wunsch eines Wiedersehens.

Und weiter:

„Ich darf Ihnen wohl aus so großer Entfernung und ohne die Bitte um Geheimnis sagen, wie sehr gerne ich Sie gewonnen habe. Es ist gewiß nichts Seltenes, daß man Ihnen das sagt oder andeutet, aber es ist etwas außerordentlich Seltenes, daß ich das jemandem sage, daß ich es sagen kann. Ja, ich habe es wie hier, ohne den leisesten egoistischen Anklang, noch nie einer Frau gesagt.

Ihr ganzes Wesen, Ihre psychische Eigenart, Ihre noble Persönlichkeit, viel mehr noch als selbst Ihre Erscheinung — dies alles sprach mich gleich das erste Mal so an, daß ich fast zu allem ‚ja‘ sagen mußte. So oft ich mit Ihnen beisammen war, gewannen Sie, während die meisten Frauen rasch verlieren. Wo mich andere hundertmal verletzt hätten — ich meine natürlich sich selbst verletzend, ihr eigenes Bild trübend, — haben Sie mich nicht mehr als vielleicht zweimal verletzt. Ich hätte das gar nicht für möglich gehalten.

Sie haben mich arm und reich gemacht. Reich, weil ich meine ganze Vorstellung von der Frau erhöhen konnte, weil ich erfuhr, daß es doch Wesen voll Anmut und Noblesse gibt, die meinem klar geahnten Ideale nahekommen; arm, weil ich, seit ich Sie kenne, noch anspruchsvoller geworden bin. Weil ich die Frauen jetzt an Ihnen, nicht mehr bloß an einer abstrakten Sehnsucht messe, und kaum je eine finden werde, die Ihnen als meine Frau vorzustellen mich auch nicht in einem verborgenen Winkel meines labyrinthischen Inneren genieren wird.“

„Labyrinthischen Inneren“ — da brach sie ab und lachte. Ohne Bosheit, aber unbändig wie ein Bub. Nein, dieses „labyrinthisch“. Wie geschmacklos!

Nächsten Tags nahm sie den Brief doch noch einmal auf, wog ihn in der Hand, las diesmal nur die letzte Seite:

„Es fällt mir schwer, Ihre und Ihres Herrn Gemahls Gesellschaft zu missen. Ich bin Geselligkeit liebend und bedürftig, aber ich finde sehr schwer Menschen, mit denen ich auftauen, mit denen ich freundlich sein kann — ich bin es überaus gerne — oder die mir sogar Funken entlocken können. Ich danke Ihnen manche Anregung und freue mich, sie zu erwidern. Am schönsten wäre es, wenn wir uns einmal in England oder in Italien oder im Hochgebirge treffen, miteinander Sport treiben oder Kunst genießen könnten. Ich mußte immer allein oder mit gleichgültigen Menschen reiten oder reisen oder bergsteigen — vielleicht habe ich auch einmal die Freude, Sie beide als meine Gäste zu sehen, im Süden, wo ich mir ein Heim zu bauen gedenke.“