Sie antwortete kaum. Doch durch Monate, über Länder und Meere her kam es „hochachtungsvoll“ herbeigeströmt. Einmal auf Briefpapier der British Association, einmal mit dem Abdruck einer Gemme aus Syrakus. Dann wieder eine Anfrage, ob er ihr aus Paris etwas besorgen könne.

Sie antwortete gar nicht.

Nun schrieb er:

„Wenn ich jemanden gern habe, ehre ich seine Freiheit — wenn Sie just einmal keine Lust hätten, mich auf der Straße zu grüßen, ich würde nichts anderes denken, als eben dies.“

„Was will der seichte Jude!“ sagte Gabriel, mit der ganzen knorrigen Hoffart des Reformationspatriziers, als beim Frühstück immer die gleiche vergrößerte Schrift bewußt und wohlerwogen den Spiegel exotischer Kuverts plastisch durchmaß. Papier, Schriftbild, Verschlußmarke: ein zusammenstilisiertes Kunstwerk, stets variiert, doch gleicher Grundkraft, so daß sie sich gewöhnte, es um sich zu dulden als ästhetischen Genuß. Ein warmer Schauer von lauter viereckigen Ausschnittchen einer weiten und gepflegten Erde. Alles, was sie gelassen in Sehnsucht nach noch nicht dagewesener Überhöhung — im Spitzentrieb nach Äußerstem.

Dann sank eins ums andere aus dem Schwarm dahin in den Papierkorb, sah ihr von dort doch noch in die Augen — hartnäckig durch Wohlgestalt.

Auch sein Schweigen war Kotau.

„Ich hatte Ihnen aus Bonn und Heidelberg geschrieben, fand kein Ende, vielmehr, es gewann nicht die Form, in der ich Ihnen Geschriebenes gern sehe. So ließ ich’s ganz.“

Also keine „labyrinthischen“ Innereien mehr!

Um das Rätsel ihrer Ehe: dieser magischen Starre eines geschlossenen Systems, glatt gegen Angriff, strich er mit eingezogener Hinterhand, leise fauchend. Wagte keine Frage.