„Flohzeug — — damisches — — damisches — — damisches! Solchen Unfug mit einem ernsten und anständigen Vieh treiben — — ich werd’ euch!“ Furchtbar steht er auf. Da flitzen schon die zwei blanken Insekten um eine Biegung ins Nichts.

Wo der Fluß im „Tal der nephritgrünen Wolke“ sanft geworden, erwarteten sie die Fähre. Mit ihnen ein bunter Trupp; der wuchs an hennaroten Zehen als tiefe Farbeninsel vom Ufer verkehrt ins goldne Wasser hinab. In den dunklen Spiegel blühte es herunter: aus weißem Lendentuch braunsamtne Muskelkelche, arisch klare Züge, überzüchtet fast, und, feuchter als die Flut, Augen von der Farbe des Paradieses. Aus Körben zittert es hell, Mangos, Ananas, safrangelbe Reiskuchen tropfen unten wehend ab ins Nichts wie Wasser von Riemen.

Ein dünner Afghane hockte abseits. Splitternackt. Fädelte sich seine Hose ein. Zwanzig Meter war sie weit. Benützte statt der Nadel gleich einen jungen Bambusschößling, in dessen Spalt das Durchzugsband geklemmt war. Die Hose selbst lag als gestrandeter Ballon über die Landschaft gebreitet. Seine goldne Spitzmütze mit grünen Zauberzeichen auf Rabenlocken, saß er: ein vazierender Magier im Negligé.

Nun öffnete sich der wartende Kreis den Ankommenden; in ohnegleicher Anmut. Tamils, Singalesen, Bengali, Rhajputen: es waren die Ärmsten der Armen. Die Typen rein, dank der Kastentrennung unvermischt, unverkötert. Standen da in golddunkler Allbegabung und feinstem Wissen um den Eros: wie der schmale Kopf über den glatten Haarknoten stieg, der Sarong das Antilopenhafte zeichnete, eine Spange, ein Nichts an Linie war von gepflegtester Sinnlichkeit. Und die dankbare Natur achtete im Alter ihre schlanke Anmut, weil ja auch sie Süße und Wert des Daseins zu achten vermocht. An diesem abgelegenen Küstenstrich des östlichen Reservats hatten wohl noch die Wenigsten weiße Menschen gesehen, oder gar einherreiten auf glimmernden Skeletten. Doch in unverlierbarer, blutgewordener Gesittung behielt Jedes die zufällige Stellung des Augenblicks bei, führte in leichten Lauten die Wechselrede weiter, wandte nicht einmal, ängstlich sich selbst zügelnd, die Augen ab — ganz des eigenen Taktes sicher. Keine Gebärde, kein Blick, nur unaussprechliche Freundlichkeit nahm die Andersartigen auf.

Horus stand neben einem hochgewachsenen Rhajputen. Sonderbar ziehender Rhythmus, von dem er sich klare Rechenschaft nicht gegeben, hatte ihn hingeleitet, wiewohl merkbarer Abstand diesen von den übrigen schied.

Er war glatt, faltenlos wie Diorit. Breit in den Schultern, aus schmalsten Lenden wuchs sein Torso zum Dreieck aus dunklem Stein.

Paramahansa nach den Sektenmalen: vier Stücke lachsfarbenen Tuches, das fünfte um die Schläfen, der Rudrakshabeere am Hals — das Auge aus Asche im Herzen der Stirn. Einer, der weder an Feuer, noch Geld, noch irgend Metall rührt — nichts genießt, was aus Arbeit stammt.

Lässig und doch strahlengerad an Haupt und Rücken stand er, das Profil dem Knaben zugekehrt. Da fühlte Horus, wie der Rhythmus seiner Pulse sich zu verändern — anders zu schwingen begann. Wußte, es hing an dem wunderbar langen, doch unhörbaren Atem des andern. Ihm war: Hände aus Hauch griffen an sein Herz, stellten es nach einer andern Sternenstunde. Die Wellenlänge seines Wesens schien sich zu wandeln — weiter schwang die Amplitude seines Ich, bis es riß — die Zeit zerriß — bis es unbegreiflich stark, wehrlos und geborgen sich ausblühend in ein neues Maß ergoß. Und ein silbern unirdisches Erinnern ward groß in ihm, daß es schon immer so gewesen — heute — in der Freiheit des Tiefschlafs, als sie im Spiegelbilde eines Morgentraumes kindlich und sanft verzerrt zerging.

Dann begann der lange, wunderschöne Atem ihn langsam wieder zurückzuspülen in sein eignes Maß.

Als wäre er in eine Froschkehle gestürzt, so zappelnd und klein tickte das jetzt. Dumpf, kurz. —