Im belgischen Flandern blühte dafür diese Gattung auf, die Revolution hatte in Frankreich die verderblichsten Folgen für die Spitzenindustrie im allgemeinen.
Auch wurden später in Lille und Aras weniger kostspielige Lille Spitzen gemacht, die unter dem Namen dentelle de Lille den Valenciennes Konkurrenz machten. Um sich ein Bild von dem Unterschiede in der Anfertigung zu machen, sei nur erwähnt: während eine Arbeiterin der Lillespitzen zwei bis drei Meter im Tage fertig stellen konnte, vermochte eine Valenciennes-Klöpplerin höchstens fünf Centimeter bei zwölfstündiger Arbeitszeit zustande zu bringen, man kann also dadurch den bedeutenden Preisunterschied verstehen.
Mme. Paliser erzählt: auf der Weltausstellung im Jahre 1851 waren Valenciennes von Ypres zu 2000 Franks per Meter ausgestellt. Die Arbeiterin konnte in zwölf Stunden täglich nur acht Millimeter anfertigen.
Valenciennes in der Breite von fünf Centimeter benötigen zwei bis dreihundert Klöppel. Jetzt werden in Valenciennes gar keine Spitzen in der Art und dieses Namens gemacht. Fast der ganze Bedarf wird in Belgien gemacht und zwar ist Ypres das Zentrum davon. Im Jahre 1830 wurde dann die viereckige, sehr klare Masche gemacht. Die Zeichnung wurde reformiert, sogar jours mit point d'aiguilles, mit barettes, und point de neige gemacht.
In Bruges, Courtrois, Bailleul und so weiter macht man Valenciennes mit kleinen Abweichungen, zum Beispiel in der Brugher Gegend wird die runde oder fast runde Masche gemacht, anderswo wird das toilé sehr fein geklöppelt und während des Arbeitens werden Nadeln hineingestochen, die dann kleine Löcher bilden. Im Ganzen und Großen gehören aber die Valenciennes zu jenen Spitzengattungen, die in stetiger Abnahme begriffen sind; einerseits ist die Herstellung eine außerordentlich mühsame und langwierige, anderseits werden sie durch die Maschine in stetig besserer Ausführung imitiert, so zwar, daß die feinen Sorten der Maschinenspitzen oft schwer von den echten zu unterscheiden sind. Das toilé und réseau ist schon recht ähnlich, nur an dem Rande und den picots kann man die falschen besonders nach dem Waschen leicht erkennen. Die picots der echten sind aus zwei Paar Fäden geschlungen (vier Fäden), die falschen nur aus zwei einfachen Fadenmaschen, die nebeneinander liegen. Die picots und Ränder bei allen Maschinenspitzen sind der schwächste Teil und der Rand zieht ein und zerreißt zuerst.
Die Zahl der Arbeiterinnen vermindert sich jedes Jahr und die jungen Arbeiterinnen können überhaupt nur mehr die schmalen billigen und gröberen Waren (meistens für den Hausierhandel) machen. Die Valenciennes wurden auch noch im Erzgebirge, der Schweiz und in England und so weiter gemacht, sind aber niemals so fein und schön gearbeitet wie die belgischen. Jahrelang, von Kindesbeinen auf erworbene Übung ist die Grundbedingung der Technik dieser Spitzen.
Malines.
Wenn die Valenciennes den Beinamen »les eternelles« verdienen, gebührt den Malines hingegen das Prädikat »la reine de dentelles«. Tatsächlich kann mit ihr an Zartheit, Kleidsamkeit und Eleganz nur noch die Binches konkurrieren.
In der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts wurde der Name Malines im allgemeinen für die verschiedenen flandrischen Spitzen gebraucht und zirka von 1665 an knüpft sich der Name genauer an diese Spitzengattung an, obwohl sie damals noch nicht das Aussehen unserer heute bekannten Malines hatte. Es war auch nach dieser Zeit gegen das XVIII. Jahrhundert, daß sich nach den Versuchen und dem Gebrauche der verschiedenen fonds, in Malines die den Spitzen dieses Namens einzig eigentümliche Masche herauskristallisierte, welche den sogenannten Droschelgrund oder Eisgrund bilden, jene reizende, klare und dabei doch zarte sechsseitige Masche. An vier Seiten ist sie aus doppelten Fäden gewunden, während sie an den zwei Seiten, an welchen die zwei Fadenpaare zusammenlaufen, mehrfach geflochten ist.