Der Leinengrund (toilé) wird gleichzeitig mit dem Grund (réseau) gearbeitet und der Fadenschlag läuft wie bei den Valenciennes vertikal und horizontal. Ein stärkerer Faden (cordonet) umgibt die Contour und akzentuiert die Zeichnung des toilé, welches schütterer, wie bei den Valenciennes, geschlagen wird. Es wird dadurch dieses wolkige und flaumige Gepräge der Spitze hervorgerufen und steht im reizenden Kontrast zu dem Grund der reinen und regelmäßigen Maschen.
Die ältesten Malines haben wie alle älteren Spitzen ein sehr breites Dessin, so daß für den eigentlichen réseau nur wenig Raum bleibt. Sie haben in der Zeichnung große Ähnlichkeit mit den alten Brüsselerspitzen, die Technik der Ausführung ist grundverschieden und bei näherem Betrachten wird sie leicht zu unterscheiden sein. Der Faden des toilé der Brüsselerspitzen läuft stets parallel mit der Zeichnung und paßt und schmiegt sich ihren Rundungen an.
Eine Zeitlang verwendete man in den Malines auch vielfach den »fond de neige« und damals sahen sie den Trollkanten sehr ähnlich, doch kam der fond de neige wieder ab und mit dem geübteren Gebrauch des Droschelgrundes bildete sich auch die Zeichnung zu einem den Malines charakteristischen Stile aus. Es waren kleine Blumen, zarte Ranken und Blätter, Rosen und Margueriten, häufig waren in den Blumen jours ausgespart, welche mit brides und anderen fonds gefüllt waren, meistens bildete die Zeichnung eine ausgeprägte Bordure und der réseau war nur mit kleinen Blümchen, point d'ésprit und so weiter geziert.
Daher nannte man sie Malines à brides, Malines à fond de neige, malines à points d'esprit. In dieser letzten Entwicklung wurden sie ungemein geschätzt und sie waren durch mehr als wie ein Jahrhundert hohe Mode an den Höfen von England und Frankreich. Der feinste Faden, der stets aus Leinen war, gab ihr diesen weichen, milchigen Schimmer, der, wie ein Autor sagte, die Blondinen, welche damals an den Höfen regierten, gut und vornehm kleidete.
Die Ausführung war sehr kostspielig; es erforderte sechs Jahre Lehrzeit, um die Masche des Yisgrondes regelmäßig und zart ausführen zu können. So waren es die Spitzen der Höchsten und Reichsten.
Während der régence unter Louis XV. und Marie Antoinette wurden sie für Ruchen, Jabots, Krawatten und fichus, für Hauben und Kopfputz verwendet. Die Etikette schrieb sie für Sommerfestlichkeiten vor. Die Zeichnung folgte der Mode, für Ruchen brauchte man barbenartige Spitzen, die an beiden Seiten mit picots versehen waren, und diese borduren wurden noch kampaniert, das heißt mit schmalen leichten Spitzen (mignonettes) besetzt, was ihnen, zu Ruchen gelegt, ein ungemein duftiges Aussehen gab.
Maria Antoinette lancierte die Mode der leichten Stoffe, Linon, indischer Mouseline, gestickter Batist wurden für Kleider und fichus verwendet und mit ihnen triumphierten zum letzten Male die Malines.
In England waren sie schon früher aus der Mode gekommen und da die Stadt Malines ihr Absatzgebiet besonders in England hatte, verfiel dieser Industriezweig in ihr am ersten. Die französische Revolution vernichtete sie gänzlich und heute gibt es in Malines gar keine Spitzen dieser Art und an anderen Orten hat sie gleichfalls ganz aufgehört zu existieren. Turnhout mit achthundert Arbeitern fabriziert hauptsächlich nur schmale billige Ware.
Napoleon war ein eifriger Bewunderer der Malines und er wollte diese niedergegangene Industrie wieder beleben, aber es gelang ihm nicht; es war kein Nachwuchs an Arbeiterinnen herangebildet worden, sie verstanden nicht mehr, den Droschelgrund zu formen. Wenige alte Frauen vegetieren noch, die sich mit Anfertigung der Malines beschäftigen.
Und so leben die Malines meist nur mehr in alten Familiensammlungen weiter und nur hie und da sieht man auf einer Ausstellung noch ein schönes Stück moderner Erzeugung.