Chantilly.
Chantilly sind Spitzen, die unter Louis XIV. Regierungszeit in der französischen Stadt dieses Namens aufgekommen sind. Es sind Spitzen, die aus Seide und zwar aus der besten verfertigt wurden; meistens versteht man darunter schwarze Spitzen, aber sie wurden auch in Weiß ausgeführt. Es sind Spitzen, die in großen Volants und Tüchern hergestellt wurden und eine Zeitlang auf hellem Seidengrund vielfach bei Hof getragen wurden. Die Mode fällt in die Zeit, als überhaupt die breiten Volants für Toiletten begehrt wurden, es sind die Spitzen, die als erste in dieser Größe und Ausdehnung gemacht wurden. Als réseau kam der fond de Lille und fond chant (de Paris) in Anwendung. Sie wurden unendlich fein und zart gearbeitet und geklöppelt und der Dessin ist mit einem stärkeren Faden gebildet. Später unter Louis XV. wurden die Zeichnungen stark stilisiert und spärlich. Chantilly waren stets von der Fluktuation der Mode sehr beeinflußt, naturgemäß kamen sie zu Zeiten von Hof- und Landes-Trauer immer wieder in Mode. So kann man großen Bedarf unter Louis XV. – Louis XVI., dann unter Josefine und Kaiserin Eugenie konstatieren. Im Anfang des XIX. Jahrhunderts brachten sie eine Neuerung, das dreieckige Tuch; diese Form wurde den damals alles beherrschenden indischen Schals entliehen und vertrat diese im Sommer.
Es sind Spitzen, die sehr unter der decadence der Zeichnung um die Mitte des XIX. Jahrhunderts litten. Doch war die Ausführung eine zarte, sorgfältige und kostbare.
Sie haben in der Fabrikation die einzige Eigenart, daß sie in Streifen, gleichgiltig ob réseau oder Dessin, gleichmäßig hergestellt und dann durch unsichtbare Zusammenfügung zu großen Stücken gestaltet wurden.
Es war durch mehr wie ein Jahrhundert gebräuchlich, daß Chantilly wenigstens durch ein Stück in einem eleganten Trousseau vertreten war. In modernen Zeiten wurden sie in gröberer Ausführung in Grammont und Belgien hergestellt, doch da an dem Rohmaterial, einer stark und schwerfällig gefärbten Seide gespart wurde, erreichten sie nicht den Glanz und die Elegance der ursprünglichen Chantilly-Fabrikation. Außer der europäischen Mode hatten sie eine große Bedeutung in der spanischen Nationalkleidung, wo sie neben den schwarzen Blonden in Spanien und in dessen Kolonien ungemeine Verbreitung hatten.
Doch keine von allen Spitzengattungen wurde so schnell und gleich vorzüglich wie sie von der Maschine imitiert. Dies und die immer mehr abnehmende Nationaltracht der Spanierinnen hatte zur Folge, daß ihre Erzeugnisse stark erschütternde Krisen durchzumachen hatten. Grammont machte eine solche in der traurigsten Weise durch.
Schöne alte Chantilly besitzen aber heute noch einen großen Wert und werden als Erbstücke in Ehren gehalten.