von Beulwitz.«
»Genf, den 15. März 1790.
Bestes Schwesterchen,
wie sehr Ihr Wohl und Glück Ihrem Brüderchen am Herzen liegt, wie sehr er sich jetzt freut, Sie in derjenigen Lage zu sehen, die Sie sich selbst wünschten und wählten, können Sie sich leicht vorstellen. Nichts konnte mir mehr Vergnügen machen, als Sie mit einem so braven Mann, als Herr Schiller ist, verbunden zu sehen. Erlauben Sie mir, mich bei dieser Gelegenheit zu fernerer Freundschaft zu empfehlen. Recht oft hoffe ich Sie mit Ihrem lieben Mann in Rudolstadt zu sehen, und so manche angenehme Stunde soll uns im freundschaftlichen Zirkel verfließen. Dann singen wir Herrn Schillers Lied an die Freude! Jetzt muß unser Lieblingsdichter diese Stelle doppelt fühlen: ›Wer ein holdes Weib errungen, mische seinen Jubel ein!‹ –
Darf ich bitten, mich Herrn Schiller zu fernerer Freundschaft zu empfehlen. Bald werde ich Ihnen mündlich sagen können, wie sehr ich Sie verehre, und bin
Ihr aufrichtiger
Freund und Diener
Ludwig Friedrich.«
»An einem Montag, den 22. Februar 1790, wurden wir in Wenigenjena vom Diakonus Schmidt getraut.
Schiller kam einige Tage vorher nach Erfurt, wo ich und Karoline war, uns abzuholen. Wir kamen Sonntag abends nach Jena. Den Montag früh fuhren wir drei zusammen nach Kahla, wo wir meine Mutter abholten. Es war ein Frühlingstag wie heute, wo ich dieses mit Schmerzen niederschreibe. Von Kahla fuhren wir gegen 2 Uhr ab und kamen um 5 Uhr ganz in der Stille in Wenigenjena an, stiegen an der Kirche aus, niemand war bei der Trauung zugegen, als meine Mutter und Karoline. Den Abend brachten wir still und ruhig miteinander in Gesprächen zu beim Tee. So verging der Tag, der so viele Freuden in seinem Gefolge hatte und so viele Schmerzen. Jeglichen Menschen erwartet sein Tag, auch meiner wird kommen!«
Aus Charlottes Tagebuch.