»Fred«, sagte Flaherty, »einer schafft's nicht. Wir wollen's zusammen versuchen. Wir jagen ihn in eine Ecke des Beckens, und dort fangen wir ihn.«
Das leuchtete Fred ein. Von rechts und links näherten sie sich langsam dem Köter und scheuchten ihn nach der einen Ecke des Beckens. Sie glaubten schon, sie hätten ihn. Doch er sauste plötzlich in weitem Bogen um Flaherty herum und entwischte. Noch einmal versuchten die beiden ihr Glück, doch ohne Erfolg. Keuchend und pustend begaben sie sich ans Ufer. Dort hatten sich immer mehr Menschen angesammelt, um die fröhliche Hatz zu beobachten. Man bestürmte die beiden Polizisten mit Fragen, was es mit dem Hund auf sich habe, wie er auf das Eis gekommen sei. Flaherty und Kaiser meinten, sie wüßten es selber nicht. Der Köter sei zweifellos ein Vagabund. Die Damen bedauerten sein trauriges Los und fragten, ob es denn kein Mittel gäbe, das arme Tier aus seiner schrecklichen Lage zu befreien. Der eine schlug dies vor, der andere das. Inzwischen war auch Bubbles, der unvermeidliche Berichterstatter, zufällig des Weges gekommen. Er erkannte, daß die Geschichte ein gefundenes Fressen für ihn sei, und beschloß, das weitere abzuwarten.
Ein Parkfeger hatte einen glänzenden Einfall. Man müßte einige lange Bretter holen, meinte er, und sie vom Eis auf die Felsen neben dem Aussichtsturm legen. Dann müßten ihrer mehrere den Hund auf die Bretter zutreiben. Sobald er diese erblickte, würde er zweifellos merken, daß hier ein Ausweg für ihn sei, und über die Bretter ans Ufer laufen, wo er mit Leichtigkeit gefangen werden könnte. Den beiden Polizisten schien der Vorschlag nicht übel, und sie versprachen, das Nötige für den Nachmittag zu veranlassen. Damit entfernten sie sich, und da sonst niemand etwas unternahm, zerstreute sich die Menge.
Am Nachmittag waren fast dreimal soviel Leute um das Wasserbecken versammelt als am Vormittag. Die Kunde von dem Eishund, wie sie ihn nannten, hatte sich rasch verbreitet. Auch Bubbles, der Berichterstatter, war wieder da, samt dem Photographen seines Blattes. Sehr bald kam ein Lastwagen der Parkbehörde mit Brettern und Holzböcken angefahren. Auch Kaiser und Flaherty und noch andere Polizisten kamen, um den Feldzug gegen den Eishund zu leiten und die Menge in Ordnung zu halten.
»Das wird der reine Zirkus!« bemerkte der dicke Flaherty lachend zu Kaiser.
»Merkwürdig«, entgegnete Kaiser, »welche Unmasse Maulaffen es in New-York gibt, sowie es etwas zu sehen gibt. Und sei es nur ein Köter auf dem Eise.«
Die Holzböcke wurden neben dem Aussichtsturm auf das Eis gestellt und dann die Bretter darüber gelegt. Dann begaben sich die vier Parkfeger auf das Eis und näherten sich dem Köter, der sie mit einem Ausdruck höchsten Argwohns herankommen sah. Bald war wieder die schönste Hetzjagd im Gange. Dreimal trieben sie ihn unter dem Jubel der Menge auf die Bretter zu, doch der Köter schoß jedesmal daran vorüber. Völlig erschöpft gaben die vier endlich die Jagd auf und stiegen wieder ans Ufer, um sich zu verschnaufen.
»So ein dummes Luder!« knurrte Flaherty und warf dem Köter einen giftigen Blick zu. Der saß mitten auf dem Eise, ganz außer Atem, aber stolz wie ein siegreicher Toreador in der Arena. Es sah zu lächerlich aus. Das Publikum wollte sich schief lachen. Teufel – das war wirklich ein herrlicher Ulk! Und er kostete keinen Cent. Plötzlich erschienen drei Studenten auf dem Eise. Sie hatten Schlittschuhe an. Offenbar glaubten sie, daß die Schlittschuhe ihnen den Erfolg sichern müßten. Pfeilschnell sausten sie auf den Köter zu. Aber der war noch schneller. Einmal hatten sie ihn fast. Doch zwei von den Studenten liefen so heftig aufeinander, daß es knallte und sie wie der Blitz auf das Eis flogen. Unter dem wiehernden Gelächter der Zuschauer verschwanden sie. Eine Weile konnte sich der Köter verpusten. Und immer noch schwoll die Menschenmenge. Kleine Jungens begannen schon mit leeren Seifenkisten zu handeln, auf denen man warm und trocken stehen und über die Menge hinwegsehen konnte. Verkäufer von Bonbons und gerösteten Kastanien machten gute Geschäfte. Bubbles, der Berichterstatter, photographierte, daß der Gummisack am Apparat dampfte. Wer würde der nächste sein, der den Kampf mit dem wundervollen Eishund wagte?
Das war Kakadu-Bill, der ehemalige Kuhjunge aus dem Westen, der jetzt in New York Kellner war. Er behauptete, der Meisterlassowerfer von Amerika zu sein und Roosevelt in dieser schönen Kunst unterrichtet zu haben, als er noch als unbekannter Rauhreiter die Prärie durchstreifte. Kakadu-Bill habe er als Kuhjunge geheißen, weil er der einzige Kuhjunge in Arizona war, der einen Kakadu hatte. Kakadu-Bill hatte sich einen langen Strick verschafft und versprach, den Köter innerhalb fünf Minuten zu fassen. Eine Kleinigkeit sei's. Als er auf dem Eise erschien, brachten ihm die entzückten Zuschauer eine Ovation.
»Der wird's fertig bringen!« sagten sie.