Ich, zum Ziele wollend, stößt Ungewolltes unwillig von sich ab, schafft im eigen-Willen Widerwillen. Widerwillen weicht vom Ich, wird im gegen-Stand selbst-ständig, ist fremdes entgegenstehendes Wollen—: Willen in mir—Willen außer mir—das ist Raum. Raumerscheinung schafft sich durch Aus-legung des Widerwillens im Ich.

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Ich-willen, zum Hohenziele des Verlangens rastlos irrend, von selbstgeschaffenem gegen-Stand zurückgestoßen, bleibt wollend, wechselt im Willenszustand—: Willen in mir erst—Willen in mir dann—das ist Zeit. Zeiterscheinung schafft sich im Ich durch wechselnden Willen.

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Das verlangende Ich schafft zeiträumliche Erscheinung. Verlangen treibt dich zu Ausdehnung in Zeit und Raum. Je nachdem du dich im atmenden Verlangen gefordert oder gehemmt empfindest, ist Willen oder Widerwillen in dir. Verlangen der Welt willig ergriffen ist eigener Willen; Verlangen der Welt unwillig abgewiesen ist Widerwillen in dir. Was in dir seelisch empfunden Widerwille ist, ist sinnlich aufgefaßt Widerstand im Raum, das ist fremder Wille wider dich: 'ich will nicht' das heißt: 'du willst'. Was Ich aus sich unwillig entläßt, wird räumliche Vorstellung: Du. Der Atem des Verlangens in Anziehung oder Abstoßung erscheint im Ich als Willensgegensatz. Willensgegensatz in sich faßt Ich zeitlich auf; Willensgegensatz zu sich ist dem Ich Raum. Wechselnder Willen ist Zeit; zu Unwillen gewechselter Willen ist Raum. Willig-un-williges Verlangen in dir erscheint als zeit-räumliche Wirklichkeit außer dir. Endloses Verlangen in dir erscheint als endloses Werden— erscheint und ist. Mit dem Zerfall im Ur-sprung erscheint Zerfall in Ich und nicht-Ich, erscheint Zerfall in Willen und Gegenwillen, erscheint Zerfall in Zeit und Raum —erscheint und ist—

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Wie du, von dir aus ut-teilend, Willen von Widerwillen unterscheidest—beides in dir, beides Eines—du selbst, so unter- scheidest du, von dir aus urteilend, Zeit von Raum—beides in dir, beides Eines—du selbst. Wie Unwillen in eigenem Willen zu fremdem Gegenwillen wird, so wird Ein-bildung Zeit zu gegensätzlicher Vor-stellung Raum. Wie 'fressen' und 'gefressen werden' Eines ist im 'Fraß', wie Willen und Unwillen Eines ist im Verlangen, so ist Zeit Erscheinung und Raum-Erscheinung Eines in dir—dein Verlangen, du selbst. Verlangen, vom Ich ausgesprochen, vom Widerschein des Ich—dem nicht-Ich—wieder ausgesprochen, das ist: widersprochen—sieht sich selbst gegenüber, tritt sich selbst entgegen, ist sich selbst Gegensatz. Suchender Wille ist Raum, im Suchen wechselnder Wille ist Zeit.

Also wurzelt in deinem Willen-un-Willen Zeit und Raum; also ist
Zeit-Raum-Erscheinung dein Verlangen.
Erkenntnis hiervon ist Lösung des Rätsels: Raum-Zeit-Einheit.

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Was von Empfindungswellen dir erwünscht, willkommen zuströmt, was du dir anzueignen gewillt bist, was du willfährig aufnimmst, was du zustimmend bejahend wohlwollend auffaßt, was sich dir willig fügt, dir zu Willen ist, worein du einwilligst, was zu deinem eigenen Willen, zu dir selbst wird, dein Zustand, erscheint in dir—deine Seele bewegend—in zeitlichen Formen. Was, aus dir geboren, dich unwillkürlich befremdet, was du nicht für dein eigen hältst, was nicht mehr du selbst bist, was du unerwünscht erleidest, was dich anwidert, was dir widrig, widerwärtig, zuwider ist, dein wider-Wille erscheint—deine Sinne bewegend— außer dir, räumlich, als wider-Stand, als widerstehende Kraft aus dem Raum. Atmet Verlangen in dir, wandelst du Willen zu Unwillen, so wandelst du Empfindung zu Anschauung, Einbildung zu Vorstellung, Zustand zu Gegenstand, wandelst zeitlichen Wechsel zu räumlicher Verschiedenheit, Zeit zu Raum: —und umgekehrt: ziehst du unwillig Abgestoßenes, Gegenstand, Raum Gewordenes wieder willig an dich, nimmst du, durch Aufhebung der Verneinung, den Gegensatz willig in dich auf, so wandelst du deine Anschauung zu Empfindung, deine Vorstellung zu Einbildung, deinen Gegenstand zu deinem Zustand, räumliche Mannigfaltigkeit zu zeitlichem Wechsel, fremde Kraft zu eigenem Willen, Raum zu Zeit. Willenswandel deine Seele bewegend—seelisch empfunden— erscheint dir zeitlich, Willenswandel deine Sinne bewegend—sinnlich angeschaut—erscheint dir räumlich. Seelischer Wandel ist Zeit; sinnlich körperlicher Wandel ist Raum. Bewegung deiner Seele—Zeit; Bewegung deiner Sinne—Raum. Verlangen treibt dich und es wird Zeit und Raum; beides Bewegung, beides Empfindung in dir. Eigene Lust dein Wandel im Verlangen; eigenes Gefallen dein Wandel in Zeit und Raum. Verlangend wandelst du in Zeit und Raum, verlangend wandelst du dich zu Zeit und Raum, wandelst Zeit zu Raum, wie rechts zu links, wandelst Raum zu Zeit, wie unten zu obem.