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Aller Wille will nicht, aller Unwille will. Unwillen durch Willen, Willen durch Unwillen—Wille und Wille untrennbar—Eines, wie Zeit und Raum, wie oben und unten. Versuche zu verstehen: Wenn du wollend nicht willst und nicht wollend willst, was nicht wollend dich will, was wollend dich nicht will, was dir unwillig willig zu-kommt, was dir willig unwillig aus-kommt, nennst du mit zeitlich räumlichen Namen. Was du willig Zeit oder Raum nennst, nennst du unwillig Raum oder Zeit. Zeit und Raum—Gestaltung deines Willens; Zeit und Raum— andere Worte für deinen Willen und für das, was, wider deinen Willen, wieder dein Wille ist—Gestaltung deiner selbst.
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Ich Atem ist Einhauch und Aushauch, ist innen und außen, ist zu-Stand und gegen-Stand, ist Wille und Unwille, ist Zeit und Raum, Ich und nicht lch. Also von Gegensatz zu Gegensatz atmend schafft Ich Zeit und Raum, mit Zeit und Raum—die Welt, deines Verlangens sinnlicher Widerschein.
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Also ist der Atem des Verlangens Wille-un-Wille im Ich—aus Tat durch Widerstand zu Duldung—Atem, Leben, Bewegung, Wandel, von Ich-bestand I auf Ich-wider-Stand II und auf Ich-wieder-bestand III zurück. Ich-Verlangen, wandelnd, zu seinem gegen-Stand und zu sich selbst zurück ver-wandelt; Ich durch wider-Ich zu wieder-Ich; von Ich zu Ich; Ich Atmen—âtmâ.
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Und ferner, o Teurer, Verlangen in dir ist Schöpferkraft. Von geringem Verständnis sind wir Menschen, blind vor Verlangen erkennen wir offenen Auges das Nächste nicht. Was im Samsara verlangend wächst, nennen wir unsern Willen; Hemmung unseres Willens empfinden wir unwillig; empfundenen Unwillen legen wir aus als Wirkung fremder Kraft. Ausübend wandelst du eigenen Willen zu rückwirkender Kraft. Wollend schaffst du Unwillen. Unwillen weist du von dir ab; darum erscheint er außer dir, dir entfremdet, scheint fremde Kraft gegen dich. Oder mit anderen Worten gesagt: weil es fremder Wille ist, darum ist er nicht in dir—beides ist dasselbe. Unwillen in dir ist Willen wider dich. Der eigene Wille-un-Wille von dir ge-äußert, von dir ausgelegt, das ist: aus dir hinaus verlegt, im gegen-Stand selbst ständig geworden, vom gegen-Stand wider-stehend, als Widerstand auf dich rückwirkend, ist dir des Gegenstandes Widerstandskraft. Wille in dir schafft mit Not-wend-igkeit rückwirkende Kraft—Widerwille in dir ist Widerstand außer dir. Was Eines ist, benennst du mit unterscheidenden Namen. Was du in dir Willen nennst, nennst du außer dir Kraft. Kraft in dir bewußt, nennt sich Willen; Willen außer deinem Bewußtsein scheint dir bewußtlose Kraft. Aller Wille ist Kraft, alle Kraft ist Willen. Wille ist Kraft aus dir, Unwillen in dir ist Kraft gegen dich. Aus dir fließt Willen und Kraft; Eines ist Willen und Kraft— Verlangen in dir—du selbst. Sehend geworden erkennst du den eigenen Willen in fremder Kraft, dich selbst im nicht-Ich. In deinem Herzen ist die Auseinandertretung, deine eigene Schöpfung die Unterscheidung: Zeit-Wille—Raum-Kraft. Ich ist Zeit und Raum, Ich ist Wille und Kraft. Ich ist âkâsha, Ich ist kâma.
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— Ur-sprung —