O Teurer, wie ich es dir zunächst dargelegt habe, so mögen wir Menschen der Erscheinung nach-denkend, uns der Wahrheit annähern. Nur dem tief ernst Suchenden enthüllt sich die tiefe Lehre—upanishad— der Menscheit Hoheziel—Hoheziel.
*
So lautet in Aranada-Upanishad der dritte adhyaya: Kâma,
Verlangen; nunmehr Karma, Wirklichkeit.
IV. WIRKLICHKEIT DIESER WELT — karma —
Zu dem, was ich dir ferner zu sagen gedenke, o Teurer, wisse: einfach ist alle Wahrheit, Vielheit ist Irrtum dieser Welt. Wie das dichte Laubdach eines Urwaldes vor einem stürzenden Stamme zerreißt und helles Tageslicht plötzlich die Dämmerung am Boden überflutet—so brach bange Unwissenheit in sich zusammen und überstrahlte mich das Licht der Erkenntnis; und was große Lehrer vor mir als unausdenkbar erachtet hatten, als unergründlich, als ewiges Geheimnis—trat in mir zutage, wuchs und erstarkte zu voller Erkenntnis. Gesegnet sei die Stunde, da ich Gewißheit erlangte: also ist, was sie Tatgesetz nennen, also ist Wirklichkeit: Karma— Freiheit des Tuns—eherne Notwendigkeit. Und schon einmal habe ich solche Erkenntnis ausgesprochen zu jenen Zeiten, als der König der Videha mich befragte; aber unverstanden blieb, was ich verkündete, unerkannt in seinen Tiefen—verlorene Wahrheit offenbare ich dir wieder.
* * *
Aus ur-Sprung—: ur-Teil-Ich-Erscheinung; aus ur-Teil-Ich—:
ver-Langen; aus Verlangen—: Tat
— KARMA —
*
Tat und Tatergebnis, Wirken und Wirklichkeit dieser Welt—in
dir, o Teurer, als Lust und Leid bewußt, als Tat und Duldung, als
Ursache und Wirkung, als Freiheit und Notwendigkeit—in dir, o
Teurer, als vergeltende Gerechtigkeit der Gottheit wach.
*