Es verlangt dich im Zuge der Welt zur Erscheinung—es verlangt dich zur Erscheinungswelt hinaus. Je nachdem du voreilst oder zurückbleibst, je nach deinem zustimmenden oder abweisenden Verlangen erscheint dir das Werden-ver-Werden der Welt als eigenes Wirken aus dir oder als fremdes Wirken auf dich—je nach seelischer oder sinnlicher Auffassung—verinnerlicht oder entäußert.
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Hinfällig ist aller Streit, der feste Bau ist gegründet. Freiheit, zu Ende gedacht, ist Notwendigkeit; Notwendigkeit, zu Ende gedacht, ist Freiheit. Eines ist, was du zwiefach benennst: Freiheit und Notwendigkeit, willkürliche, in sich nichtige Unterscheidung in dir. Dein Verlangen schafft was du Freiheit, dein Verlangen schafft was du Notwendigkeit nennst. Karma, Wirklichkeit dieser Welt willig in dich aufgenommen scheint 'freie' Wirkung aus dir; Karma unwillig abgewiesen ist notwendig Wirkung wider dich. Freiheit und Notwendigkeit ununterschieden in sich, weder das eine, noch das andere, Eines doppelt benannt, zwei Namen für das Selbe —; unendliches Verlangen—endloser Widerstand—Karma in dir atmend. Verloren ist Freiheit—gewonnen ist Freiheit; du selbst bist Herr und Gesetz, du selbst bist Schöpfer—Vernichter. Atma ist sich selbst Gesetz. Noch einmal: Gib es auf, die Welt zu durchschauen, ehe dir die volle Erkenntnis von Karma auf geleuchtet ist.
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Und ferner, o Teurer! karma, Wirklichkeit dieser Welt wirkt sich in dir aus Tun und Dulden. Ich Dasein ist Tat. Tat erfüllt das Ich, Tat bewegt, belebt, beseelt das Ich. Ich ist nur durch Tat. Ich in allen seinen Gestaltungen ist Tat. Alle Tat ist Ich-Tat; keine Tat ist selbstlos. Keine Tat geschieht um ihrer selbst willen: du tust, um durch Tat zu Tat-Frieden zu gelangen. P. W. Tat ist Frucht des Verlangens, das Verlangen ist endlos. Keine Tat bringt das Heil. Kein Tun stillt das Verlangen; Verlangen ist ewig wach; Befriedigung ist ewig Täuschung. Unerreichbares wähnst du durch Tat zu erreichen. Tat fördert neue Tat. Tat fordert neue Tat. Tat führt endlos zu Tat. Jede erfolgte Tat fesselt dich an den Erfolg der Tat. Tat verschuldet dich irdischen Mächten. Unselig ist alle Tat—eine ewige Kette. Alle Tat, gute wie böse, schafft neues karma. Keine Erlösung durch Tat—tuend wirkst du diese Welt. Darum ist gesagt: "der bös Handelnde, der gut Handelnde bleibt durch sein Tun gebunden." Darum sagt Shamkara, der Lehrer: "die Seele von Bösem und Gutem befleckt." "Seele wird nicht höher durch gutes Werk, Seele wird nicht geringer durch böses Werk."—"Sein Reich leidet durch keine Tat mehr; über Gutes und Böses—über beides ging der Vollendete hinaus." Darum sagt Shri-shagavad-gitâ-upanishad: "alles Tun ist von Schuld umhüllt." Darum spricht die Gottheit Krishna: "ich bin außerhalb dieses Tuns." Darum lehrt des Heilweges Buch: "das Höchste ist ohne Tun." "Wer, solches wissend, von Gutem und Bösem sich rettet, der rettet sich von Sinnen zu Seele; der rettet sich zu Atma, der solches weiß."
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Ich rede zu Suchenden, zu dir, o Schüler! draußen Stehenden ein zu bewahrendes Geheimnis. Ehe du es wagst von Tat zu lassen, erfasse die Lehre wohl. Der Gedanke dieser Welt ist suchendes Verlangen; blind irrende Gedanken des Verlangens walten übermächtig allüberall. Was von Gedanken seelisch sinnlich in dir haftet, lebt, schlägt Wurzel in dir, schafft sich zu deiner Seele. Es denkt und will und handelt in dir. Irresuchenden Gedanken Stätte gewährend, irrst du im Wege zum Hohenziel. Sei tätig so lange dir Tat Befriedigung gewährt; sei tätig, doch sei nicht in der Tat. Wahre die Ruhe deiner Seele—unberührt von Tat und Taterfolg—selbstvergessen. Also tuend wird dir Erkenntnis von Tat—Tat ohne Täter. Von Leid und Tat ungeblendet wirst du sehend.
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In dir, o Teurer, wächst mit jeder neuen Erkenntnis der Gedanke: 'unausführbar in diesem Leben ist die Lehre'. Nun wohl! Wende dich von diesem Leben ab, das dir des Lebens höchstes Gut versagt: 'Seelenfrieden'. Suche höheres Ziel! Du selbst bist Schöpfer und Vernichter. Aus deinem Verlangen schaffen sich die Welten; dein Verlangen schafft diese, dein Verlangen schafft andere Welten.
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