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Die Welt ist Erscheinung im Ich—Ich ist Erscheinung in der Welt —wesenlose Erscheinung—Erscheinung des Wesens dieser Welt;— Gottheit in der Erscheinung zum Ich gesunken, im Ich zeitlich an Ort gebannt, im Ich leidende Gottheit—unseelig—selbstvergessen.
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Samsara ist durch Widersinn, keine Wahrheit in Samsara. Aus traumlosem Schlafe erwachst du träumend—träumend glaubst du an die erträumte Welt und an dich selbst. Du jagst nach Träumen und was du erreichst, ist Traum. Erfaß es wohl: nichts mehr. Vom Traum zu Traum enttäuscht, schaffst du in dir den rettenden Gedanken: diese Welt ist nicht Wahrheit, diese Welt ist eigengeschaffenes Trugbild. Was du draußen suchst ist in dir selbst: nach außen langend erlangst du räumlich, was du zeitlich aus dir hinausverlegst; die ganze Welt erlangend, erlangst du dich selbst. Im Feuer der Erkenntnis entzündet sich in dir die Kraft von solchem Trug zu lassen. Du gehst in dich, du entsagst dem Schein, du kehrst dich dieser Welt ab, du bekehrst dich zu Gottheit—Gottheit in dir entringt sich der Erscheinung. Und wie du aus ureigener Kraft die vergängliche Welt schufst, so schaffst du in dir ewige Gottheit—aller Gottesverehrung, aller Völker, aller Zeiten, aller Welten ewiges Ziel—der gewaltige Unterstrom, das Ungestillte in höchster Lust, das Tröstende in tiefstem Leid—: Religion.
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Nur Eines ist: Gottheit—alles Andere ist Lüge. Erwache! Blinder Glaube in dir hält dich in den Fesseln törichter Hoffnung, in ewig erneuter Enttäuschung; deine Sinne halten dich in Leiden und Tod. Erwache aus dem Banne nimmer gestillten Verlangens, erwache aus friedloser Tat, erwache aus Geburt und Tod. Tod ist für Tote. Im Kerker und an den Karren geschmiedet schwinge ich mich aus Ketten und Mauern hinaus—aus Qualen und Herrlichkeiten dieser Welt —in zeitlosem Augenblicke durcheile ich, des Leibes ledig, alle Räume und alle Zeiten, schaue alle Welten und alles Geschen… was von mir, im Kerker oder im Purpur, verachtet oder angebetet, im Reiche des Todes zurückbleibt—bin ich nicht. Davon ist gesagt: "und dieser Leib mag endigen in Asche." Überwunden ist der unseelige Irrtum, gestillt das Verlangen, gefunden der heilige Weg aus Erdenlust und Erdenqual, aus Grauen zu Seeligkeit, aus Tod zu Unsterblichkeit. Nur Eines ist: Gottheit—alles andere ist nichtig. Erkenne dich selbst, besinne dich auf deine Seele. Erfasse das große Wort, das größte, das je eines Menschen Seele erfaßte—erbebe in der Erkenntnis: —ich bin Gottheit— Davon ist gesagt: "brahma bist du und in brahma gehst du auf." Was in dieser Welt zeiträumlich auf einander wirkend, als endloses Werden erscheint, ist deiner träumenden Lust freudiger Widerschein,— von Zeugung zu Überzeugung—deiner Seele blind tastendes Verlangen —und was in dir lebt, lebt in allen Welten. Und wie dein Verlangen ist, solche Welt wird dir, in solcher Welt entstehst du, solche Welt entsteht in dir.
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Welten erglühen—Welten erkalten. Wie Pradschapati von eigener Schöpfung erschöpft ist, so erschöpft sich alle Erscheinung—nicht zu Vernichtung,—zu Erneuung. Alle Welten fallen in sich zusammen, voll-enden in Nichts—ein Nichts, das Alles ist.
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Alle Erscheinung sucht Frieden.
Ebbe folgt auf Flut, Flut folgt auf Ebbe; Flut hier ist Ebbe dort,
Flut dort ist Ebbe hier; Flut und Ebbe zu gleicher Zeit, Flut und Ebbe
am selben Ort.
Die Welten atmen von Nirvana zu Samsara—durch unermeßliche
Freudenqualen von Samsara zu Nirvana—von Wesen zu Dasein in allen
Ewigkeiten und Unendlichkeiten.—
Tagen die Sinne, so nachtet die Seele; wacht die Seele, so ruhen
die Sinne. An Stätten ohne Zahl—in endlosen Räumen—zahllose
Stufen ewiger Entfaltung von Seele zu Sinnen, von Sinnen zu Seele.
Hier deiner Gegenwart leuchtender Sinnentag, brennende Mittagsglut
—dort, deinen Sinnen entrückt, in dunkel geahnten Gedankenfernen:
Frieden, Seelenreich, Gottheit—
Einst, in ungezählten Tagen, leises Entschlummern der Erscheinung,
Aufdämmern der Seele auch hier; Seeligkeit, Erwachen der Gottheit auch
in dir—und in Weltenfernen versunken alle Sinnesherrlichkeit.—
Bin ich, so ist Welt; gebe ich die Welt auf, so ist Gottheit; ist
Gottheit, so bin ich nicht und keine Welt. Darum keine Gottheit da ich
bin, keine Gottheit da Welt ist—und kein Ich, keine Welt in der
Gottheit—Gottheit Welt.
Weltenzeugung—in sich gebundene Gottheit—Sinnenherrschaft—
Samsara—Entsagung—Bekehrung—Überwindung—Erlösung—
Verklärung der Welt in Gottheit—der Seele Seeligkeit—Nirvana.
Also entstehend vergehend sind diese ringenden Welten—sind
nicht—das schweigend sprechende All-Eine:
— brahma —