»Eine Frau? – ob der Mann hier ist?«
»Ganz gleich, sie ist bezaubernd.«
»Um so besser sogar,« – setzte Herr Supphahn hinzu, der französische Romane gelesen hatte und für das Pikante schwärmte.
Der beglückte Vorstand führte den Tanz indessen mit Wanda an und machte seiner reizenden Partnerin in halb väterlicher Weise bestens den Hof. Er merkte nichts von der fieberigen Glut der Erwartung, die sie bewegte. –
Hand um Hand wechselte. Jetzt hatte sie einen jungen Baron, dann einen geschniegelten Kaufmannsdiener, jetzt einen Studenten, dann einen Badearzt, dann einen polnischen Flüchtling, einen Freiwilligen von den Jägern, den kleinen verwachsenen Herrn Joachimsthal und einen Kandidaten der Theologie und endlich legte sich ihre Linke in die Hand des Mannes, dessen Liebe weiter und tiefer war als das Meer und größer noch, als die Qual seiner Sehnsucht.
Drittes Kapitel.
Witold von Kreowski erbleichte, als er sie erkannte, starrte sie ein paar Augenblicke mit ringendem Atem an und sagte endlich heiser: »Ein ebenso großes als unerwartetes Glück.« Er sprach völlig accentfrei.
»Ein freundlicher Zufall.«
»Und ebenso unerwartet als schmerzlich.« Damit reichte er die Hand der vorhergehenden Dame.
Sie wußte nun, was ihr freilich ohnehin nicht zweifelhaft gewesen, daß auch das zweite Lied ihr gegolten. Und während er jetzt vor ihr promenierte, bemerkte sie, daß er etwas breitschultriger geworden war, daß er einen sehr schönen Nacken hatte und daß in einem schönen Nacken etwas seltsam Verführerisches liegen könne. Und es kam ihr vor, als ob die Unruhe, die er ihr erregte, dieselbe sei, die sie vor vier Jahren empfunden und als ob er nie aufgehört habe, sie zu belästigen, obgleich das ganz gewiß nicht wahr war.