»In der Einsamkeit? Sind Sie denn manchmal einsam? Kann man Sie denn bisweilen allein lassen? Sie verzeihen.«

»Aber das ist doch nicht anders. Die Kranken und dann die Politik –«

»Und dann haben Sie meine Melodien gespielt und haben manchmal ein klein wenig an mich gedacht?«

»Warum nicht? Denkt man der Melodien, denkt man wohl auch des Komponisten. Was ist da weiter?«

»Freilich, was ist da weiter! Und die ›Sehnsucht‹ ist die nach dem vermißten Gatten? Natürlich. Ist Ihr Herr Gemahl auch hier? – ich meine in Salzbrunn.«

»Nein.«

Ein knappes »Nein,« in das nichts von Bedauern oder Sehnsucht hineinklang, aber auch nichts Feindseliges, und auf das sie eine Weile schwiegen, um, endlich die Unterhaltung wieder aufnehmend, über das Badeleben, das Wetter, die Menschen zu plaudern, banales Zeug, dem Wanda doch beständig einen Reiz zu geben wußte durch gut herangezogene Citate, drollige Spöttereien und kleine Sentimentalitäten. Dadurch kamen sie nun doch in jene behagliche Stimmung, mit der man etwa an heiterem Sonnentage in kleinem Boote ein tändelndes, blaues Meer befährt, dessen Leidenschaft Windstille gebändigt hält.

Ganz unvermittelt – die Musik hatte inzwischen eingesetzt und sie waren zum »Contre« angetreten – sagte er dann:

»Sie haben es nicht etwa für eine Entweihung meiner Gefühle genommen, daß ich jenes Lied – ich meine jetzt das andere, das Sie schon kannten, öffentlich mitzuteilen wagte?«

»›Mitteilung ist das Wesen des Dichters,‹ sagt Goethe.«