»So, sagt er das? Und Sie, so jung, verstehen es?«
»Ich denke.«
»Sie begreifen also, daß der Künstler nichts entweiht, auch wenn er alles preisgiebt, daß die Form, in der er es thut, wenn sie sonst eine gelungene ist, ihm das Recht giebt, alles zu gestehen, weil er sich damit zum Interpreten der Gefühle aller macht, ihrer tiefsten und reinsten Gefühle, alles ihres Ringens und Sehnens?«
»Warum sollte ich das nicht begreifen?«
»Gewiß. Und es macht mich sehr glücklich, daß es so ist.«
»Nur ist mir die Richtigkeit Ihrer Auffassung zweifelhaft: denken und dichten die Poeten nicht am Ende über diese Philister- und Werktagsseelen hinweg, wie die Lerchen und Nachtigallen über die Köpfe der Sperlinge und Finken hinweg ihre Lieder singen? Und ergreift der Künstler diese Seelen vielleicht nur, indem er ihnen die Ahnung beibringt, daß es andere giebt, die unendlich viel stärker empfinden und persönlicher denken als sie? Und was sie ergreift, ist vielmehr Schauer des Mitgefühls mit dem größerem Maß von Leiden, das ein Künstler ertragen muß?«
»Wohl möglich, daß es so ist. Jedenfalls: wenn man den Künstler nach seiner Fähigkeit zu leiden schätzen dürfte, dann hätte ich den Vorzug, als ein großer Genius zu gelten.«
»Sehen Sie, so finden die Unglücklichen immer einen Trost. Aber wie ist mir denn: pflegen Ihre Landsleute ihren Schmerz nicht zu vertanzen? Sind sie nicht eben darum Meister in dieser Kunst? Tanzen wir. Es ist eine Mazurka, nicht wahr?«
»Gewiß.«
Lächelnd legte er seinen Arm um sie, und gleich darnach verschlang der Wirbel des Reigens die Beiden.