Etwas Lieberes konnte Frau Wanda gar nicht hören. Sie sprang sofort auf und griff nach ihrem Schirm.

»Ich gehe da hinunter, auf die Mühle zu.«

»Da ist es zu einsam.«

»Bäume und Sträucher thun mir nichts.«

»Dir nicht, nein,« sagte die Mutter mißtrauisch; sie hatte vor einer Viertelstunde den Musiker dort hinunter gehen sehen.

Madame Gernoth hatte Kreowski sehr auffällig ihr Mißfallen zu verstehen gegeben, es dünkte ihr unpassend, daß er die Frauen so häufig ansprach und sie nahm an den Blicken Anstoß, mit denen er ihre Tochter zu verschlingen pflegte. Sie hatte ihm das in ihrer gelegentlich harten Weise gradezu gesagt. Seitdem hielt er sich fern. Aber sie konnte es nicht verhindern, daß der interessante Pole die Doktorin bei der Brunnenpromenade ansprach, während sie selbst das Aufräumen des Zimmers besorgte und das Kind anzog und fütterte, und sie hatte es nicht in der Gewalt, die Dauer dieser Brunnenpromenade festzusetzen.

Mit beflügeltem Schritt machte sich Wanda auf den Weg.

Warum sie ihn nur liebte?

Er war eigentlich kein bedeutender Mensch. Er hatte ein paar hübsche Talente, aber weder das dichterische noch das musikalische waren stark und umfangreich, sie gingen zu ausschließlich auf das Lyrische, und obgleich er hier Schönes und sogar Originelles leistete, verliehen sie ihm etwas Einseitiges und das, was Madame Gernoth das Unmännliche an ihm genannt hatte. Dennoch gefiel er Wanda gerade so, wie er war. Es war etwas Sanftes und Ehrerbietiges in ihm, das sie umschmeichelte wie die vollendete Beherrschung des guten Tones, die er besaß. Er war freilich kein akademisch-wissenschaftlich gebildeter Mann, aber dafür sprach er auch nicht mit der Wucht, der Härte und dem Hyperlogischen dieser Leute, und seinen Worten fehlte das Verletzende, das eine Meinung zum Gesetz erheben möchte. Bei alledem war er nicht ohne Geist und Schwung. Und er liebte sie. Mit dieser so schlecht verhüllten Leidenschaft, in der er sie mit Versen und Melodieen überschüttete, ohne jemals geradeheraus zu gestehen, daß sie ihr galten, ein Verfahren, das ihrem Verkehr das scheinbar Harmlose erhielt.

Sie schlug den Weg ein, auf dem sie des Morgens mit ihm zu promenieren pflegte, und es dauerte nicht lange, so trafen sie sich mit der Unfehlbarkeit, mit der sich Liebende in den Weg rennen.