Was mochte ihr Dichter jetzt eben treiben, wo weilen, wie ihrer denken? Vielleicht über seinen Kompositionen ihrer vergessen! Immerhin Glück genug – indes sie ihn vergessen mußte über diesen »ehelichen Pflichten.«
Inzwischen saß Rhode mit glücklichem Lächeln am Tische. So, ganz so war sie als junges Mädchen gewesen: so sprudelnd, so übermütig und von dieser sieghaften, leuchtenden Schönheit, mit der sie ungezählten Herzen gefährlich geworden, mit der sie das seine entzündet und es eben von neuem in hellste Flammen gesetzt, so daß nur noch eins in ihm war: Zärtlichkeit und Verlangen nach ihr.
Wo blieb sie nur?!
»Wanda?«
Blaß, niedergeschlagen, mit einem seltsamen Ausdruck auf den Lippen, trat sie herein, setzte das Glas vor ihn hin, sank auf einen Stuhl und brach in heftiges Schluchzen aus.
»Herr mein Gott, was ist Dir denn geschehen?«
»Nichts.«
»Nichts?! Du mußt doch einen Grund haben, sprich doch, rede doch!« drängte er zärtlich.
Da hielt sie nicht länger zurück.