Er legte die Hände auf den Rücken, trat ans Fenster und rang mit unsäglicher Qual und Bitterkeit.

»Ich will fort,« schrie sie. »Ich will wieder fort, ich will das nicht wieder!«

Welcher Fluch, einer heißgeliebten Frau mit seiner Liebe selbst zum Gegenstande der Furcht und des Grauens zu werden! Und was sollte er sagen? Als ob es sich nicht um Unabänderliches gehandelt hätte, nicht um etwas, in dem er machtlos war, in dem geknickter Mannesstolz, Mitleid, Wunsch, ihr alles zu Liebe zu thun, nichts waren – gegen den Willen der Natur! Was sollte er überhaupt nur sagen? Vielleicht, wenn sein Gemüt nicht belastet gewesen wäre mit diesem Eingriff in ihren kleinen Besitz – so gern er diese Last wegräsonniert hätte mit der Wendung von der ehelichen Solidarität, sie war dennoch da und drückte ihn – vielleicht, daß er dann gute, treue, würdige Worte zum mindesten gefunden hätte, die ihr das Unabänderliche erleichtert hätten!

Aber so fand er sie nicht.

Wanda schluchzte weiter.

»Fort! wieder fort möcht' ich!«

»Aber wenn ein Mädchen heiratet, weiß sie doch –«

»Nichts weiß sie. Nichts!«

Fort! Und ihre Gedanken kehrten zurück unter die grünen Laubgänge, durch die die Sonne golden leuchtete, ein sanfter Wind tausend Blütendüfte hauchte, das Rauschen und Murmeln plätschernder Quellen klang und die Liebe auf sie wartete, eine Liebe, an der alles Zartheit, unterdrückte Glut, alles Langen und Bangen, ein stilles frohes Miteinander der Seelen, ein lautloses Verstehen und süßes Begreifen war.

Als ob irgend eine Liebe der Welt ewig das alles bleiben könnte! Als ob Liebe nicht auf unser aller Wege in leuchtenden Feierkleidern träte, blumengeschmückt und die Hände voll seliger Gaben und, sobald wir sie nur an unser Herz genommen, Werkeltagsgewänder anlegte und Opfer über Opfer von uns verlangte für jedes überirdische Glück, das sie wie zum Geschenke uns gereicht!