Und bei alledem eine Schwüle, die sie einander nicht eingestanden, die sie hinweglogen mit einem prahlerischen Eifer, der auf der Grenze zwischen Heroismus und Heuchelei steht, und sie ahnungslos ließ, daß auch das andere etwas auf dem Herzen habe, das es manchmal einzugestehen wünschte und sich doch scheute. So näherte sich zuweilen ein Entschluß zu freimütigem Bekenntnis: »Diese Spargroschen – verzeihe mir« – oder zu heißer Bitte: »Hilf mir mit Deiner Liebe, das Bild eines andern –« der Thür des Gatten und ließ die Worte dann doch an der Schwelle liegen.
Endlich fand Wanda eines Abends doch den Mut; an einem der immer seltener werdenden Abende, an dem der Doktor einmal zu Hause blieb – und sie warf die Bemerkung hin, daß sie Kreowski in Salzbrunn getroffen habe.
»Kreowski?«
Die Miene des Doktors verfinsterte sich sofort. »So? Dieser ›beschlittete Pollacke‹ war dort?«
»Beschlittete Pollacke?« Sie lachte nervös.
»Ja.«
»Ich habe ihn immer nur zu Fuß gesehen, kann mir auch nicht gut denken, daß er hinter meinem Rücken in den Hundstagen durch die Wälder, durch die Auen Schlitten gefahren sein sollte. Übrigens,« fügte sie eifrig hinzu, »spricht er deutsch, ist in Deutschland geboren, macht deutsche Verse und deutsche Musik und erklärt sich selbst für einen Deutschen.«
»Richtigen Patriotismus haben solche Bursche nie im Leibe, die in Schnurröcken herumlaufen.«
»Allerdings treibt er weder groß- noch kleindeutsche Politik,« sagte sie gereizt, denn der ›Bursche‹ ärgerte sie.
»Ich weiß bloß, daß der Mensch – Musikant war er ja wohl – trotz seines ›Adels‹ in dem Kränzchen, in dem Du Deine Triumphe feiertest und in das ich Dir zu Liebe ein paarmal ging, einen Schnurrock trug, wie ein Pole aussah und die geschniegelten Manieren dieser Rasse hatte.«