»So sage doch etwas,« rief er endlich gereizt.
»Aber Du hast schon alles gesagt,« antwortete sie leichthin, »ich könnte nur – noch bemerken, daß Kreowski sehr gut Walzer tanzt.«
»Allerdings ein schwerwiegender Vorzug.«
Sie lachte, stand auf und ging hinaus, mit einem seltsamen Wechsel der Empfindungen im Herzen. Sie hatte ihren Mann zum Mitwisser und damit zum Befreier von einer Gefühlsverwirrung machen wollen – das Resultat der bloßen Einleitung dazu war, daß sie tiefer darin verstrickt war als vordem.
Zehntes Kapitel.
Es war eine Woche später.
Wanda war sehr heiter. So harmlos heiter, so grundlos guter Dinge, wie man es manchmal ist, bloß weil man jung ist, der Himmel blau, die Sonne goldig und weil man geliebt wird und wieder liebt, heiter in dem Gefühle von schrankenlosem Lebensreichtum und der Fülle der Beziehungen von Herz und Welt; vielleicht auch nur, weil man kampf- und qualmüde ist und irgend etwas in uns sich auflehnt gegen den Druck der Niedergeschlagenheit.
Sie sang und trällerte in den Stuben herum, küßte das Kind, naschte an Obst und Beeren, sah in den Spiegel, schüttelte den Kopf über ihre eigene junge Schönheit, die sie jeden Tag von neuem wie ein Wunder daraus anlächelte, amüsierte sich über ein paar Toggenburger, die täglich zur bestimmten Stunde vor ihrem Fenster schmachteten, und improvisierte Verse, in denen sie die Laune der Natur pries, die ihr alle Herzen zu Füßen legte. Eine der Stimmungen, in denen wir schlechterdings in uns selbst verliebt sind und so übermütig, daß wir als die rechten Ichs- und Glücksprotzen mitten in allen Unzulänglichkeiten des Lebens stehen, daß wir, sonst ewig dürstend nach Wechsel und Sensation, ganz gesättigt sind von dem stillen Beruhen in der Gegenwart und dem großen, goldenen Lebensgefühl, das sie uns spendet.
Draußen lockte der herrlichste Septembermorgen.
»Wir wollen spazieren gehen,« sagte sie zu dem Kind, »erst schön spazieren gehen und dann zu Großmama, ihr Geld bringen.«