Und sie nahm das kleine Mädel auf den Schoß und küßte es, bis es wieder hinunterstrampelte.

Frau Gernoth betrachtete sie scharf. Ihre Tochter war keine allzu pünkliche Mutter, nicht lieblos, aber nicht von der überströmenden Zärtlichkeit mancher anderen; die Heftigkeit, mit der sie das Kind küßte, erschien ihr mehr als der Ausdruck einer starken Erregung, die irgend einen anderen Grund hatte.

In diesem Augenblicke fiel die Musik ein, und

»Leswig-Holstein, meerumslungen
Leswig-Holstein, stammverwandt,«

sang das kleine, noch nicht ganz zweijährige Ding jauchzend; entzückt hob es die Großmutter auf und überschüttete es jetzt ihrerseits mit Liebkosungen.

»Sie kennt jedes Lied an der Melodie heraus! Und Verse über Verse weiß sie auswendig, unser Goldkind!«

»Du bist noch viel eitler auf sie, als Ewald,« sagte die junge Frau.

»Bist Du es denn nicht?«

»Ich – na – das ist doch ganz selbstverständlich, daß ich so ein Kind habe! Bin ich denn von Dummersdorf? Und Verse und Lieder – weiß ich auch ohne Ende. Ja, denk mal, Mutter – ich hab eben ein Gedicht gemacht. Auf dem hübschen Aussichtspunkt saß ich, wo wir mal neulich zusammen waren« –

»So weit bist Du gegangen?«