Man saß zusammen, mutmaßte und folgerte, lachte und lächelte, und in der hellen Sonne, im traulichen Lampenschein, saßen zwischen den drei sich so nahe Stehenden Gespenster, die der eine nicht sah und die beiden andern ignorierten. Frau Florentine hatte plötzlich den Eindruck, als ob Wanda auch ihr etwas verheimliche, als ob eine Unruhe sie foltere, eine Niedergeschlagenheit sie drücke, die sich weder auf ihr Verhältnis zu dem Doktor noch auf diese unselige Liebelei bezöge. Diese jungen Frauen – ob am Ende – Jesus, das fehlte nun grade noch!

Gegen sieben wollte Madame Gernoth gehen, blieb aber und ließ sich von Rhode ein paar gelehrte Geschichten vormachen, Experimente, die damals neu waren, während Wanda sehr eilfertig das Abendbrot rüstete. Dann aßen sie zusammen und schließlich bat die Großmutter, Clärchen zu Bett bringen zu dürfen.

Es war erst halb acht, da man von Tische aufstand.

»Es ist mir sehr lieb, Mutter, wenn Du mir Clärchen abnimmst,« sagte Wanda hastig, »ich muß schnell noch mal zur Kleideranprobe.«

»Jetzt?«

»Ja.

Die Mädchen nah'n im Flittertand 
Mit bunter Bänder Wallen,
Ach! wer giebt ein Festgewand,
Dem Liebsten zu gefallen!

– oder auch:

Und den goldgestickten Schleier
Legt sie an, das Glanzgeschmeide,
Zu des Tages hoher Feier
Rauscht ihr Gang von stolzer Seide.

– kurz gesagt: ich habe kaum mehr meine Blöße zu decken, und also addio! – Kuß das Kind? Ja, mein Clärchen, mein kleines artiges Mädelchen.« Sie küßte das Kind mit der Heftigkeit irgend einer seltsamen Erregung.