Da stand er auf. »Liebst Du mich aber? Sehr!? Sehr?«
»Ich lieb' Dich sehr.«
Aber während sie sich an ihn lehnte, überkam sie ein Angstgefühl und eine heiße Unruhe, und sie suchte sich wieder los zu machen. »Laß mich, Witold.«
Doch er umschloß sie nur fester, und während er sie an seine schweratmende Brust drückte, knüpften die Finger seiner Rechten an einem kleinen Tuch, das sie, um den Hals trug, und an den Bändern ihres Hutes. »Laß' doch das.«
»Laß'? – ja – laß' nur, gieb – Deinen Hut – und das auch – das – Du mein, mein, mein!«
»Witold, was thust Du denn, was fällt Dir ein!«
»Ich lieb' Dich, ich lieb' Dich! und Du – wirst mir angehören, ganz mir, mir, süßestes Weib!«
Sie gab ihm einen Stoß vor die Brust, daß er zurücktaumelte, griff nach ihrem Mantel, den sie schnell umwarf und rannte hinaus, die dunkeldämmerigen Treppen hinunter, zitternd, mit einem Herzklopfen, das ihr den Atem benahm, ganz aufgelöst von Scham und Zorn. »Diese – Bestien, ob sie weiter nichts wissen! Diese Bestien!«
Jetzt – rechts oder links? – rechts – dort die Hausthür – – Gottlob, sie war gerettet!
Gerettet – ja. Die Liebe in Feiertagsgewändern hatte ihre Schleier abgeworfen und sich frech und hohnvoll gewandelt, die Himmlische hatte die Engelslarve abgethan und sie angestiert mit brutalem Grinsen. Warum hatte er ihr das angethan! Was sie bei ihm gesucht, war ja doch nur die Poesie der Liebe, das selige Wandeln in ihren lichteren Vorhöfen, war gerade das, was die Ehe nicht war.