Und dann – überkam sie mit einem Male das gräßlichste Gefühl, wie ein Glutstrom, der sich aus seinem Begehren in ihr Blut ergoß: sie wäre vielleicht eines Tages – nicht heute, nicht morgen – doch wer kann für alle Zeiten gut für sich sagen? – vielleicht – diesem Begehren gewichen –

Nein! nein! gewiß nicht! nie!

Aber schon daß sie es einen Augenblick lang denken gekonnt, war möglich, weil er ihre Liebe in den Staub getreten und den Boden, auf dem sie gewandelt, unter ihr fortgezogen!


Wanda war etwa eine Viertelstunde fort, als Rhode mit einem Licht in den Händen bei Madame Gernoth eintrat, die im Wohnzimmer am Fenster stand und in die Schneenacht hinaussah.

Er sah blaß und aufgeregt aus.

»Ich habe keine Ruhe – es war Unrecht, sie allein fortgehen zu lassen – und sie sagte, sie gehe manchmal des Abends allein fort – wohin geht sie, da es sich nicht immer um ein Kleid handeln kann?«

»Sie ist auch heut nicht um das Kleid gegangen,« sagte Frau Florentine hart, »es hängt fertig im Schrank.«

»Mein Gott, was soll das denn heißen? und warum machen Sie so unheimliche Augen, Mama? Sprechen Sie doch.«

Sie zögerte. »Soll ich zur Verräterin meines Kindes werden?« sagte sie dann.