»Du hast keinen?«

»Nein. Gerade zum Suppe kochen, Socken stricken und – und – na ja, prachtvoll! Und Kreowski, der liebte mich wirklich und ehrte mich so hoch und war immer so zart und rücksichtsvoll, und nun – – ach!«

»Sprich doch bloß, sprich!«

»Nun stritten wir uns, ob Mozart oder Beethoven – und sind gerade vor seiner Wohnung – und ich sag: ich werde mit hinauf gehen, da können Sie nachsehen. Und so gehen wir hinauf. Und dann – wird er eben unverschämt! Wo ich mit keiner Seele an so was – Greuliches gedacht hab! – Jesus – das, ja das kann ich freilich zu Hause auch haben! Und ich wollte doch Liebe, Liebe, richtige Liebe! Ach wie ich ihn hasse!«

Er atmete auf. Sie war doch ein Kind, ein glänzendes, geistreiches Kind. »Hassest Du mich auch?« fragte er zärtlich.

Sie antwortete nicht. Schluchzend ließ sie den Kopf auf seine Schulter sinken, im Schmerz über ihre gekränkte und verlorene Liebe in dem Gatten den Freund suchend, dem sie ihre Klagen darum ausschütten dürfe.

Doktor Rhode nahm ihren Schmerz für Reue und eheliche Zärtlichkeit. Ohne weiter zu sprechen, gingen sie nach Hause. Als Madame Gernoth, die angstvoll am Fenster harrte, sie Arm in Arm in die mondbeglänzte Straße einbiegen sah, verließ sie die Wohnung und schlüpfte nach der andern Seite hinunter. Sie war nicht die Person, die Dritte abzugeben, wo zwei Eheleute miteinander fertig werden mußten. Genug, daß sie zusammen kamen. –

Er führte sie in sein Studierzimmer, das die Wärme am besten zu halten pflegte, nahm ihr Hut und Mantel ab, rieb ihr die erstarrten Hände und braute ihr über der Berzeliuslampe einen Thee. Dann setzte er sich neben sie, umschlang sie, strich ihr das Haar aus der Stirn und trocknete ihre Thränen.

Sie ließ ihn schweigend gewähren, merkwürdig schnell beruhigt und ohne auf seine Zärtlichkeit zu reagieren.

Endlich sagte er weich: