»Also das ist es? – Und das ist Dir so schrecklich?«
»Es zerreißt mir die Seele! Ich will nicht! Es wird auch wieder sterben! Ewald, hörst Du denn nicht? ich will nicht! Ich will lieber sterben!«
Er schloß sie in die Arme, gab ihr hundert gute, zärtliche Worte und suchte sie zu beruhigen. Aber ein Dunst von Bier und Tabak, der von seinen Lippen und aus seinen Kleidern auf sie eindrang, erregte ihr ein widriges Gefühl und machte jedes Wort von vornherein zu einem verlorenen.
Sie machte sich los von ihm, der verzweifelnd wahrnahm, wie ihre Erregung sich zur Ekstase steigerte. »Da hinten, ganz dort in der Ferne, siehst Du, da lauert es – und kommt heran – immer näher – das – und das andere Gräßliche: die Geldnot, der Ärger, der Schmutz und das Schrecklichste, – – der Tod! Und da wieder – da! – die Sehnsucht nach Glück und Leben, nach Schönheit, nach Rhythmen und Tönen – und nach Liebe, Liebe, Liebe!«
»Wanda!«
»Und wenn es mich nicht tötet, wird es meine Seele verderben, hörst Du? meine Seele! Denn wer, wer ist Herr seiner Seele, wer von uns, die wir nicht einmal Herren unseres Leibes sind? wer Herr seines Hungers, seiner Sehnsucht?« –
Er zuckte die Achseln. Er beklagte sie, aber zugleich verletzte ihn ihr Abscheu vor einem Zustande, der ihr ihn selber abscheulich machte, der ihm Freude verhieß und der doch manche andere Frau selbst sogar beglückte.
»Es ist nutzlos und thöricht, sich gegen göttliche Einrichtungen aufzulehnen,« sagte er.
»Göttliche? Das ist kein Gott, dieser Schöpfer, der die Hälfte der Menschheit dem Manne in die Hände gespielt und mit der Mutterschaft geschlagen hat!«
»Du bist schrecklich.«