Dann schritten sie in der Sommernacht Arm in Arm durch eine morgenwache Stadt, wo die Menschen noch schliefen. Der edle Gang der beiden hohen Geschwistergestalten hallte im Takt der alten Tage. Ohne ein Wort darüber zu verlieren, gingen sie, um Ole zu suchen, verpaßten aber den Richtweg und kamen hinunter auf die Strandstraße. Bald bogen sie ab, hinauf nach dem Pfarrhaus; sie waren schon ein paar Schritte auf diesem Weg gegangen, als Josefine, wie aus einem Zwang heraus, den Kopf nach dem Strand zurückwandte. Sofort hielt sie Edvard an. "Da ist er!" flüsterte sie. Von dort her kam Tuft. Er ging schnell, schnell, hielt aber den Kopf so tief gesenkt, als vermöge er dessen Last nicht mehr zu tragen. Vergebens hatte er den ganzen Strand abgesucht nach ihr; nun wollte er weiter suchen, in südlicher Richtung — ebenso vergeblich, aber ebenso schnell. Beide verstanden; ihr Arm zitterte im Arm des Bruders. Fest schmiegte sie sich an ihn; denn vor wenigen Augenblicken noch hatte sie ihm gesagt: hätte der Bruder sie aus seinem Garten verjagt, dann —! Still! Sie wandten um und gingen Ole entgegen. Hellhörig, wie er war, vernahm er sofort die Schritte — er blickte auf, erkannte sie, breitete die Arme aus; weitergehen konnte er nicht mehr, auch nicht sprechen. Josefine aber machte sich los vom Arm des Bruders und eilte zu ihm.


Langsam gingen alle drei nach Hause; der Pastor, Josefine am Arm, — auf der andern Seite Kallem. Immer wieder sagte er: "Auf Gottes Wegen! Auf Gottes Wegen!"

"Aber ich bin nicht Deines Glaubens!" versuchte Kallem einzuwenden. "Nein, nein, nein!" rief der Pastor eifrig. "Wo gute Menschen gehen, da sind Gottes Wege!"

Anmerkungen:

[1] Halbhohe, gefütterte Schuhe aus weichem Renntierleder.

[2] Eine Erika-Art.

[3] Eine Violenart.

[4] Von der Familie der Ranunkeln.

[5] Kreuzkraut.