Hier ist mannigfarbiger Herbst, schöner denn alle andre Jahreszeit. Von den gemütlichen, warmen Stuben aus sehen wir ihn oder wir genießen ihn auf Spaziergängen. Sonntagmorgen; Mutter just aus dem Bett, Großmutters Geburtstag, alle Flaggen gehißt, Sonnenwetter, aber noch im Morgennebel; oben Dagny und Inga im lustigsten Vogelgezwitscher, Großmutter kommt eben strahlend heraus, ich laufe und küsse sie, und wieder hinein zu Dir, um es Dir zu erzählen. Erling, mit dem ich zusammen gefrühstückt habe, ist mit seinen zwei Hunden unten auf dem Schießstand (eben kommt er heim); Hermann Anker hat ihm seinen feinen Hühnerhund „Lord“ geschenkt. Alles auf dem Hofe eingeherbstet, die Felder herbstgrün, Pferde und Vieh draußen zum Morgengetummel; Dienstag kommt die Herde von der Alm zurück; aller Almsegen ist eingebracht.

Dein Freund Vater.

28. September 1889.

Liebe Bergliot, wir haben heute schmerzlich auf die Post gewartet, um zu sehen, ob Du noch ebenso mißmutig seist. Das warst Du also nicht; obwohl ich mich gründlich ärgere, daß Du so schwach bist, — so schwach, daß die Stimme darunter leidet! Was in aller Welt ist denn das nur, Bergliot? Du, die früher ein Hüne war. — Ich glaube, Du mußt Dir ein paar Hanteln anschaffen und Dich auf etwas kräftigere Gymnastik legen. Das stärkt die Muskeln und den Appetit. — Prachtvoll ist es, daß Du zu netten Leuten gekommen bist. Daß Du keinen aufregenden Spektakel hast, meine ich. Ißt Du nun auch gut dort? Liebling, antworte mir hierauf! Die Sache mit den Eiern ist schon recht schön; aber die Mahlzeiten müssen kräftig und appetitlich sein; gelähmte Leute natürlich essen wie Hühner auf der Stange; wenn sie Dich nach ihrem Maßstab messen, dann gnade Dir Gott! — Iß, iß, iß! Schreibe an Jakob Hegel, Klareboderne 4, Copenhague, Danemarc, um Geld. Dort liegen mehrere Tausende zu Deiner Verfügung, liebe Bergliot. Du mußt stark und froh werden. — Zwei Bücher sollst Du kaufen, sie selber lesen und sie dann mir schicken (Du kannst sie billig bekommen, wenn Du es klug anstellst, z. B. sie durch einen Agenten, z. B. Fougner, kaufst). Un caractère par Léon Hennique. Und Un amour artificiel par Jules Case. Björn und Jenny sind nun bei Dir gewesen; ich habe bloß Angst, Du kannst Arbeit und Vergnügungen nicht vereinigen, wenn sie Dich tagsüber mit sich schleppen. Jetzt gilt es für Dich, die anderen einzuholen, und so lange mußt Du mit Deinen Kräften haushalten. — Hier ist nichts Neues; ich habe ein Herbstlied geschrieben, das ich Dir bei Gelegenheit schicke; das Wetter war zu herrlich; es lockte mich. Ole Nordrum und die Kühe sind hier; Oles Zimmer ist getäfelt und gemalt und sieht aus wie eine Puppenstube; jetzt wird das von Karen und der Jungfer neben Erlings frisch beworfen und gemalt; die Gesindestube ist getäfelt und gemalt. Ich liefere also die Gebäude in vorzüglichem Zustand ab (ausgenommen die Einrichtung des Viehstalls). Meine Lektüre war ein Buch über den hervorragenden englischen Geist Carlyle (sprich Carleil). Hättest Du Zeit und Lust für dergleichen, so würde ich es Dir schicken; es ist vorzüglich gemacht von einem jungen Bergenser Troye. Dann werde ich Dir drei Exemplare des „Dagblad“ senden; ich habe über den „Bettelsack“ auf Schwedens Rücken geschrieben; das wird Spektakel machen! — Leb’ wohl für heut abend, liebe B. B.! Deine Mutter sendet Dir wohl auch ihr Teil. Ich freue mich über die Wahlen in Frankreich! Oh, wie ich mich freue! Grüß’ Deine Alten!

Dein Freund Vater.

Nein, wie ich gelacht habe über Deine verrückte Alte beim Besuch bei Euch!

Inga Björnson ist das Prachtvollste, was Du Dir denken kannst.

Grüße Cavlings.

6. Oktober 1889.

Wahltag. Bin gespannt!