Diese Woche gehört zu den frohsten, die ich erlebt habe. Ich habe auch in diesen Tagen ausgezeichnet geschrieben, und ich werde ein prächtiges Buch fertig bringen Frühjahr, glaub’ es mir!
Hier ist es noch immer ganz wundervoll! Heute Sonntag sitze ich und lese meinen zweiten Artikel über Norwegen in Harpers Monthly; heute Nachmittag wollen wir zum Propst im Breitschlitten mit zwei Pferden vor. Hurra! — Also nun ist Frau Lürig wieder brav; — ja, ihr Weibervolk! — Wenn Du turnst, hast Du da eiserne Hanteln zum Heben? Du kannst sie kaufen, wo die Av. des Ternes mit dem Faubourg Honoré zusammenstößt.
Carl Keilhau hat angefangen, Bruun zu studieren, um eine Reihe Aufsätze zu schreiben über seine „Bruniana“. Er verdient, daß er einmal unters Schermesser kommt, der alte Zopf! — Hier zu Hause freuen wir uns mächtig über Sverdrup, daß er nun endlich erledigt — und der Verachtung aller Menschen preisgegeben ist. Jetzt ist „V. G.“ der rechte Ausdruck für das, was fast alle fühlen, sogar manche Oftedöler. Vater Fougner war eines Sonntags hier, und sagte dasselbe. — Arbeit nützt doch etwas.
Von Björn nichts in letzter Zeit. Von Kielland vergnügten Brief. Seine Zeitung geht. Siehst Du, ein paar Zeilen hab’ ich doch zuwege gebracht für mein einzig süßes Mädel!
Dein B. B.
Grüße Cavlings!
Liebe Bergliot, es gefällt mir ungeheuer, daß Du nur den rechten Weg zum Ziele gehen willst, nicht lügen, nicht schmeicheln, nicht feig sein; sondern treu und gehorsam und wahr. Ich glaube zwar nicht, daß Du auf die Dauer die Künstler-Charakterlosigkeit und die Intrigen aushältst; aber ich sehe nichts Schlimmes darin, wenn Du nicht auf die Dauer Opernsängerin wirst. Wenn Du bloß ein tüchtiger Mensch wirst, der seine Sache kann bis zur Meisterschaft, und durch die persönliche Macht Deines Gesanges hinreißt; dann hängt das übrige von Dir ab; dann kriegen sie Dich nicht unter.
Schon wieder ein langer Brief von Ejnar. Sie hatten gerade die Nachricht von Parnells Rechtfertigung erhalten, und da die meisten dort Konservative sind, die die schärfsten Ausdrücke über ihn gebraucht hatten, so erzählt Ejnar, daß er die „Ziegenböcke“ in ihrem eigenen Fett hat braten lassen. Ja, necken kann er. — Hierzulande zurzeit nur Doktor Nansen; — sein Einzug muß großartig gewesen sein.
Der Haß zwischen Norwegern und Schweden wird immer heftiger. Ich darf wohl behaupten, daß die Stimmung jetzt für offenes Entgegenarbeiten gegen die Umwandlung der Union in einen Bund ist. Selbst die Rechte schließt sich bald an. — Wie es mich freut, daß Hejmann endlich etwas zu tun hat. Denn zum Kindermädchen paßt er gewiß. Na ja, im übrigen weiß ich nicht; es wird ihm wohl auch das leid werden! — Einen ähnlichen Frühling hat noch kein Mensch, nicht der allerälteste erlebt. Nachts Regen, Tags Sonnenschein! Wie die Küh’ auf die Alm sind ’zogen, habn’s ’tanzt! Nein, wie schön die Herde geworden ist! Schade, daß Du sie nicht sehen kannst, — nie sehen, wenn sie ausgetrieben wird, nie, wenn sie weidet, nie, wenn sie heimkehrt. Das ist das Schönste von allem, was das Landleben in Norwegen bietet.
Andere haben Dir wohl schon geschrieben, daß Großmutter gekommen ist, und daß kein Mensch die geringste Veränderung an ihr bemerkt; auch derselbe prächtige Humor! — Jetzt solltest Du die Küken sehen in ihrem Stall unter der Treppe des Vorratsschuppens mit Drahtnetz darüber, einem großen Raum, mehrere Ellen lang und anderthalb breit, und an dem einen Ende eine von Björns Hundehütten, frisch rot angestrichen. Jeder steht davor und schwatzt mit den Küken und wirft ihnen Gras hinein oder gibt ihnen Wasser oder Futter. Und vorn auf der Veranda, die nun gestrichen ist, ein Schwalbengezwitscher, Bergliot, und bald wird der würzige Duft vom Klee kommen. Und die herrlichen Sonnenuntergänge über den Bergen über Bleike! Und das Bad wartet auf Dich und ein neuer Hengst, Spellet wie aus dem Gesicht geschnitten, nur breiter. Du sollst selbst von Lillehammer heimkutschieren! Ja, komm nun! Du sollst sehen, die See ist ausnahmsweise einmal artig.