Du mußt Sigurd erzählen, daß sein ganzer Vergleich zwischen Leo dem Dreizehnten und Gladstone in die „Review of Reviews“ aufgenommen ist. Aber sage ihm auch, daß ich nicht gemeint habe, er müsse in einer Berliner Zeitung dem entgegentreten, was sie über mich oder den Kampf in Norwegen gesagt haben; ich schere mich den Teufel um ihre Niedertracht; nein, eine kurze Darstellung dessen geben, um was es sich handelte; denn darüber herrschen nachgerade irrige Anschauungen. Die Schweden sind sehr fleißig gewesen. So schlecht, wie es mit dem Parlamentarismus steht in Europa, und so fest, wie sich der Satz eingebürgert hat, daß die Norweger Wirrköpfe sind, ein Haufen Abnormer — ist die Lage nicht ohne Gefahr.

Die Mutter ist von einem Magenübel geplagt, wozu mitunter starke Rückenschmerzen kommen. Gegen diese gebraucht sie Salicyl, und mit gutem Erfolg, aber die Magenbeschwerden kommen häufig wieder. Heute weint sie vor Schmerzen. Bis dato ist es nichts Ernsteres; Malthe untersuchte sie in Rom; aber es muß ja ernst werden, wenn nichts dafür getan wird. Dann ist es wieder acht bis vierzehn Tage gut, aber kaum länger. Das schlägt auf die Stimmung. Es wäre eigentlich ganz gut, wenn Du eines Tages zu Malthe hingingst. — Bitte Sigurd, mir zu sagen, was er über die Wahlen denkt. Jetzt ist also die Zeit gekommen, da, wie ich erwartete, das Ministerium Steen Kopf oder Schrift spielen würde mit dem schwedischen König, der gleichzeitig der unsre sein soll. Jetzt hätten die Bewilligungen für Konsuln und Diplomaten, die schon in der vorigen Session vorbereitet und angekündigt wurden, abgelehnt werden müssen. Und die Regierung müßte vor die Alternative gestellt sein, entweder zu gehen oder die Wahlen über am Ruder zu bleiben. Dann hätten wir unser Ministerium bis jetzt gehabt und ständen zehnmal besser da in den Wahlen.

Dagny spielt wirklich recht gut. Sie macht im ganzen große Fortschritte.

Peter hat uns alten Käse geschickt, Dikka geräucherten Lachs, wir sind jeden Tag „auf den Fischbrücken des Westlands“ und im Vorratshaus und haben ein so echtes Konterfei von Norwegen, wie kein Gedicht es stärker oder wahrer geben kann. Siehst Du Peter, so umarme ihn, Dikka ebenfalls! —

Erzähl’ auch von Cato! Wir müssen doch von Cato hören! Ihr dürft Cato niemals weggeben, finde ich. Er war Euer erster Hausgenosse, und Zuschauer von Anbeginn des Anbeginns und Zuhörer von Tankreds erstem endlosen Geplärre. Wenn Dagny davon erzählt mit dazupassenden Bildern von Sigurds mannhaftem Zorn, Deiner Verzweiflung und Catos Verzweiflung am ganzen Leben, lachen wir, daß wir uns den Bauch halten.

Mit meiner Arbeit geht es gut jetzt. Björns und Ingeborgs Triumphe in Kopenhagen haben uns furchtbar gefreut. Grüße Sigurd und Tankred, Peters und die alten Ibsens vielmals von

Deinem Freund Vater.

Schwaz, Tirol, 22. Juni 1894.

Liebe Bergliot, Mutter soll nach Innsbruck; wir warten nur auf Geld. Dort ist ein Arzt, der berühmt ist wegen seiner Kuren für Magengeschichten. Es kommen viele von weither zu ihm.

Es freute mich, daß Du kein Hase warst. „Absalons Haar“ ist das Stärkste, was ich geschrieben habe, weil es die teuerste Erfahrung meines Lebens ist. Wer Dichter ist, und das auf meine Weise ist, und etwas so Fürchterliches erlebt, und dann nicht das Seine tut, um zu warnen und die Wiederholung im großen und kleinen zu verhindern, der wird seiner Aufgabe untreu. Rücksichten wie: dann sagen die Leute das, und dann denken sie so von Dir, nehme ich nicht. Ich gehe drauf los, und dafür sollten alle einstimmig mir danken und mich ehren. So habe ich ja mein ganzes Leben lang gehandelt, und das wollen die Leute nie sehen, und es mir nie lohnen. Denn Aufopferung wird ihren Lohn und ihren Ruhm haben, wenn die Zeit gekommen ist. Sie ist nämlich ein Vorschuß, den starke und gesunde Menschen auf das Ganze nehmen.